Die Spätromantik.
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formation aufgestellt hatte. Nach dieser Theorie sollte kein
Teil irgendeines Organismus vor dem anderen gemacht, sondern
alle sollten zugleich im Ei enthalten sein. Dieser Anschauung war
dann Caspar Friedrich Wolff im Jahre 1764 in seiner Theoria
generationis durch die Lehre von der Epigenese entgegen⸗
getreten, nach welcher der Keim im Anfange vielmehr als ein
unorganischer Stoff erschien, der sich erst durch die Befruchtung
infolge eines bestimmten Entwicklungsprozesses langsam organi⸗—
siere. Es waren Lehren, die im Grunde alle beide noch un—
vollständig waren, sobald man von der Entwicklung des In—
dividuums auf die der Art kam. Denn dann mußte offenbar
die Präformationstheorie durch den Satz ergänzt werden, daß
in einem Keime nicht bloß die Organe des zunächst aus ihm
entstehenden Lebewesens, sondern auch die Organe aller Ab—
stämmlinge von diesem — mithin in den Keimen des ersten
Menschenpaares die gesamten Organe aller menschlichen Indi—
viduen präformiert seien. In der Tat ist nun die Prä—
formationstheorie in dieser Hinsicht durch die sogenannte Ein—
schachtelungslehre ergänzt und nach ihr dem in der Eva liegenden
Keime die Summe von 200 Milliarden in ihm eingewickelter
Organpräformationen für einzelne menschliche Individuen zu—
geschrieben worden. Einer wenn auch minder gewagten Er⸗
gänzung bedurfte aber auch die Lehre von der Epigenese.
Denn wenn in ihr ein langsam fortschreitender Entwicklungs⸗
prozeß in jedem Individuum behauptet wurde, so mußte offen⸗
bar irgendein Anlaß da sein, der diesen Entwicklungsgang vor⸗
wärts trieb. Und hier war es nun Blumenbachs Lehre von
dem Nisus formativus, die diesen Anlaß zu erklären schien;
und so wurde sie mit der Theorie der Epigenese verbunden.
War damit ein doppelter Ausgangspunkt für jede weitere
Vorstellung vom Wesen und vom Verlaufe der Entwicklung
der organischen Natur gegeben, so kann man heute, auf der
Grundlage unseres Denkens, leicht zu der Meinung gelangen,
die Theorie der Epigenese mit oder ohne Nisus formativus
hätte rasch zum Siege gelangen müssen. Dies war aber keines⸗
weas der Fall. Wolff (7 1794) hat den Sieg seiner Theorie