Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

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Bildende Kunst. 
nicht ganz einheitlich; wo, etwas gegen das Prinzip der bloßen 
Reihung, die Figuren überschneiden, gehen sie noch nicht recht 
voneinander los. Die „pPietaà“ ist viel gleichmäßiger durch— 
gearbeitet und von größter Feinheit der Lichtwerte, doch versagt 
der Himmel mit seinen gelblich-rosa⸗-blau-grünen Tönen. Am 
höchsten steht „Christus im Olymp“, auch inhaltlich ein Ge— 
mälde, das dem Stoffe im großen Sinne und ergreifend ge— 
recht wird. 
Den Künstler aber hatte es während der Jahre, die diesen 
Werken angehörten, immer unwiderstehlicher zu der Technik 
gezogen, auf die ihn doch schließlich alles hinführte, zur 
Plastik. 
Allerdings war er damals in bildnerischen Versuchen nicht 
mehr Neuling; ja er hatte schon Bedeutendes zu schaffen be— 
gonnen: die Anfänge der „Salome“ führen noch in den Pariser 
Aufenthalt, der erste Entwurf zum „Beethoven“ stammt aus 
dem Jahre 1887. Aber diese Werke, deren eines auch heute noch 
nicht völlig abgeschlossen ist, tragen oder trugen doch wenigstens 
noch etwas vom Charakter des Malerischen; ja bei der Kon— 
zeption der „Salome“ kann man an Einflüsse der Radierung 
denken: oder sind die am Fuße der Halbfigur angebrachten 
Köpfe eines verzweifelnden, zu Grunde gerichteten Jünglings 
und eines lüstern aufblickenden Alten wirklich künstlerische 
Empfängnisse eines Bildners? Und weiter wurde in den An— 
fängen dieser Zeit die Frage nach der Farbigkeit der Plastik, 
wie die erste Bearbeitung des „Beethoven“ zeigt, zu sehr im 
malerischen Sinne gelöst. Später hat dann Klinger eine viel 
diskretere Farbigkeit des Bildwerks bevorzugt, wie sie namentlich 
die Arbeit in buntem Gestein ermöglicht, und er hat diese Be— 
vorzugung mit dem Ideal eines durchweg und seiner Natur 
nach farbigen architektonischen Gesamtkunstwerks in Verbindung 
gebracht. Vor allem aber entspricht es diesem im Grunde noch 
malerischen und innerhalb der Malerei wieder idealistischen 
Zuge, daß die ersten plastischen Werke noch einen bestimmten 
inhaltlichen Charakter zeigen: gewisse Stimmungen, gewisse 
seelische Haltungen sollen zum Ausdruck gelangen. So ist die
	        
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