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14. Jahrhundert zum Teil Lohnwerker waren"). Anderseits kam
auch dem Wandergewerbe eine größere Bedeutung zu, indem nicht
nur die Grundherrschaften, sondern auch Bauunternehmungen den
Rohstoff im großen einkauften und durch Wanderarbeiter dann
verarbeiten ließen??), Selbst die Eisenverhüttung ist im 13. Jahr-
hundert noch ein Wandergewerbe. Auch die Bezahlung der Tag-
lohnarbeit in den Städten wird zum Teil in Geld, zum Teil in
natura (Beköstigung) ausgeführt, wie z. B. in London während
des 13. Jahrhunderts*?).
Überdies wurde im 14. Jahrhundert der Handel außer durch
die Zölle auch noch durch außerordentliche Zollzuschläge belastet
und 1338—1340 dem König vom Parlament in jedem Jahr 20.000
bis 30.000 Sack Wolle als Naturalabgabe zu freier Verwertung
überlassen???),
Der große Kampf der einheimischen Kaufleute Englands
gegen die Fremden (besonders Italiener) hat dann nach ab-
wechselnden Erfolgen schließlich am Beginn des 15. Jahrhunderts
Ergebnisse gezeitigt, die eine Steigerung der Naturalwirtschaft im
Gefolge haben mußten. Indem das Prinzip der Reziprozität als
maßgebend erklärt wurde, sind alle fremden Kaufleute verhalten
worden, den Erlös ihrer Waren in englischen Erzeugnissen anzu-
legen und nicht in barem Gelde auszuführen. Die von ihnen im-
portierten Waren sollten nur an Einheimische abgesetzt werden???).
Wir haben hier also bis zu einem gewissen Grade eine Analogie
zu den oben**) erwähnten Vorgängen in Italien und speziell in
Florenz vor uns, wo die Barattogeschäfte den fremden Kaufleuten
gegen solche Waren erlaubt wurden, die sie selbst importiert hatten.
In England war mit jenem Zwang für die fremden Kaufleute auch
zugleich noch einer anderen Gefahr vorgebeugt. Schon unter
Richard II. (1377—1399) war das Parlament dauernd mit der
Frage beschäftigt, wie dem Abströmen des englischen Geldes Ein-
9) Brodnitz, Englische Wirtsch. Gesch. 1, 176.
20) Ebda. S. 175.
21) Maxime Kowalewsky, Die ökonomische Entwicklung Europas. Deutsch
von Kupperberg 5, 213 (1911).
2) Hall Hubert, A history of the custom-revenue in England (1885), bes.
, 70.
43) Brodnitz ı, 384.
24) Vel. oben S.:188.