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Dichtung.
logischer Impressionen ein Idealismus zunächst der persön—
lichen Stimmung hervor.
Es war zugleich eine wichtige Wandlung der psycho—
logischen Anschauung im allgemeinen. Der naturalistische Im⸗
pressionismus hatte die Seele nur als Bühne für das bunte
Spiel von Eindrücken angesehen, als den leeren Ort gleichsam
unablässig sich folgender psychischer Aktualitäten, als „Tempel
des Traumes“ (Maeterlinck); von dem festen Kern der Persön—
lichkeit, von einer Seele als Subjekt war wenig übrig ge—
blieben. Jetzt wendete sich die Anschauung leise, wenn auch
noch längere Zeit ein unklares Gefühl pantheistischer Gebunden—
heit an das All der Natur und der Geschichte vorwaltete. So
hewegt sich von Hofmannsthal noch in Zweifeln:
Ganz vergessener Völker Müdigkeiten
Kann ich nicht abthun von meinen Lidern
Noch weghalten von der erschrockenen Seele
Stummes Niederfallen ferner Sterne.
Viele Geschicke weben neben dem meinen,
Durcheinander spielt sie alle das Dasein,
Und mein Teil ist mehr als dieses Lebens
Schlanke Flamme oder schmale Leier.
Allein thatsächlich trug doch ein primitiver Idealismus,
der Idealismus der Stimmung, den Sieg davon; und er war
nicht denkbar ohne eine Psychologie, die dem leeren Ort der Sen—
sationen ein wenigstens triebhaftes Ich, eine keimhafte Persön—
lichkeit entgegensetzte. Und dies Ich wirkte sich nun mit seinen
Stimmungen oft phantastisch und nicht selten auch noch gespreizt
genug in einer neuen Dichtung aus.
Zunächst kam es, genau wie in dem idealistischen Im—
pressionismus der Malerei, zu einer außerordentlichen Steigerung
der Eindrucksmittel unter gleichzeitiger Vereinfachung und Ver—
einheitlichung der Komposition. Eine Vorliebe für ungestört
verlaufende Vorgänge kommt auf und für Massenzüge, und die
Kürze wird gesucht: „rein ellenmäßig die Kürze“. Das alles
bedeutet dann eine starke Zucht der Phantasie in der Auswahl
der verwirrend mannigfaltigen Eindrücke, die aus der dichte—