Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

Dichtung. 
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mit „Lienhard und Gertrud“ und Zschokke mit dem „Goldmacher⸗ 
dorf“ gewesen; schon bei ihnen war die bäuerliche, die ländliche 
Umgebung bevorzugt; ihnen schließt Bitzius sich an. Aber gerade 
in diesem Rahmen war es möglich, rein realistisch, nur den 
Dingen zugewandt, litterarisch traditionslos zu schaffen. Und 
da hat denn der Realismus des schweizerischen Pfarrherrn 
schon manches, ja vieles vom Impressionismus an sich: seine 
absolute Wahrhaftigkeit läßt ihn vor allem das Menschenherz, 
doch auch die Natur in feineren Regungen als den bisher be— 
kannten beobachten; dementsprechend erschließen sich ihm auch neue 
Stoffe zumeist des Häßlichen, und die Komposition wird unter 
der Wucht der andringenden Gegenständlichkeit der Welt ver— 
nachlässigt. Bitzius ist dem Keime nach der erste Impressionist. 
Aber so rasch und geraden Wegs wie er ist die deutsche 
Litteratur neben und nach ihm nicht zum Impressionismus 
fortgeschritten. Er hatte gleichsam jenseits der Grenzen der 
Überlieferung geschaffen. Diejenigen Dichter aber, die neben 
und nach ihm vor allem stärkeren Wirklichkeitssinn verrieten, 
schufen doch innerhalb dieser Grenzen: und so wurden sie, wie 
man zu sagen pflegt, fortgeschrittene Realisten, und ihr Wesen 
zehört nur teilweis der neuen Zeit, zumeist dagegen der Kultur 
der fünfziger bis siebziger Jahre an. Da ist, um nur einige der 
Größesten zu nennen, zunächst Friedrich Hebbel (1813 — 63). 
Seine „Maria Magdalena“ (1843) ließ, was unmittelbares Er⸗ 
fassen psychischer Wirklichkeit betrifft, den raschesten Fortschritt 
zum Impressionismus oder wenigstens einen Ausbau der Ge— 
fühlswelt erwarten, der erbarmungslos jeden Winkel des 
großen Gebietes erhellte. Allein über dies Stück hinaus schritt 
Hebbel im Naturalismus nicht fort; in seinen späteren Dramen 
behandelte er selbst die feinsten Fäden bewußter Vorstellungen 
und klaren Wollens nicht einmal unmittelbar anschaulich als 
Zettel oder Einschlag des dramatisch-psychologischen Gewebes, 
sondern schilderte sie gleichsaam nur wie den Gestalten aufgenäht 
und angeklebt; die Persönlichkeiten wurden bewußt stilisiert, 
und sie traten unter die Wirkungen einer so ausgesprochenen 
Schicksalsidee, daß sie deren Wucht unterlagen. Da ist ferner
	        
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