Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

Dichtung. 
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Hebbel, Ludwig, Anzengruber, drei stärkste Träger und 
Ahner des Kommenden, sind vornehmlich Dramatiker gewesen. 
Sollte es nicht besonders schwer gewesen sein, den Impressio— 
nismus gerade im Drama zu entwickeln? Im Drama, das 
neben dem Empfängnis der Gestalten mit aus der regelnden 
Obereinwirkung einer Schicksalsidee entsteht — und das heißt 
einer Weltanschauung, deren wesentlichste Zeitmomente noch 
heute erst zum Teil der impressionistischen Kultur angehören, 
in den fünfziger Jahren aber deren noch ungeborenem Wesen 
noch so fern standen, daß ihr fehlender Miteinfluß in der 
Entstehung des Dramas allein schon dessen Übergang zum 
vollen Impressionismus verhindern konnte? Auch in Frankreich 
haben zu den Zeiten des Impressionismus noch Dumas kils 
und Augier geblüht und vegetiert wenigstens noch heute Sardou — 
alles Söhne eines früheren, bloß realistischen Lebens der 
Dichtung. Und bei uns beginnt die litterarische Revolution 
mit den achtziger Jahren, steht die physiologisch⸗impressionistische 
Lyrik mit etwa 1884, die Kunsterzählung wenig später auf 
ihrer Höhe, — das erste ganz impresfionistische Drama dagegen 
ift erst Hauptmanns „Vor Sonnenaufgang“ von 1889, und die 
öffentliche Bühne ist dem deutschen Impressionismus erst in den 
neunziger Jahren entscheidend gewonnen worden. Nein, manche 
große Dramatiker der fünfziger bis siebziger Jahre haben dem 
Impressionismus ihrer Beanlagung nach wohl nahe gestanden, 
aber begründet und eröffnet haben sie ihn nicht. 
Im ganzen aber war das Drama dieser Zeiten erst recht 
anders geartet. Niemand wird den Gebrüdern Hart im wesent⸗ 
lichen widersprechen können, wenn sie von dem Zustand vor 
1882 meinten: man halte die Zeit der Tragödie und des 
höheren Dramas für auf immer geschwunden; nur dem Kon— 
versationsstück, dem Lustspiel, dem Schwank und der Posse 
gebe man noch eine Zukunft. Das Interesse für ernstere Kunst 
sei beim Publikum verloren, bei den Dichtern setze man voraus, 
daß sie weder die Technik des Aufbaues und der Komposition 
verstünden noch spannen oder interessieren könnten; einzig von 
der Nachahmung der Franzosen erwarte man Heil. In der
	        
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