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Dichtung.
Forderungen der neuen Kunst entsprechend, fast durchaus Zeit—
roman war. Der historische Roman brach ab, wenn auch noch
Günther Walloth (geb. 1856; „Octavia“ 1885, „Der Gla—
diator“ 1888 u. a. m.) und einige andere den Versuch machten,
ihn naturalistisch umzubilden. Es war ein negativer Vorgang,
aber im Grunde doch der erste starke Erfolg des Impressio—
nismus auf dem Gebiete der großen Kunsterzählung. Und er
wurde verstärkt durch die Erscheinung, daß schon länger thätige
Dichter der älteren Kunst, bei aller Aufrechterhaltung der her—
kömmlichen Form im ganzen, doch im einzelnen dem Impressio—
nismus innerhalb des Gegenwartromans immer stärkere Zu—
geständnisse machten. Das galt z. B. in hohem Grade von
Spielhagen, daneben aber selbst von Meistern wie Wilbrandt
und Heyse. Lag es da nicht nahe, daß dieser und jener von den
Alten geradezu einen Übergangsstil entwickelte, vielleicht sogar
mit allmählich überwiegender Betonung des Neuen?
Diesen Weg ist vor allem Theodor Fontane (1819-1899)
gegangen. Fontane war, seit seiner starken Schulung durch den
englischen Realismus, wie sie namentlich die Balladen von 1860
aufweisen, von vornherein für einen neuen deutschen Natura—
lismus besonders günstig vorbereitet. Freilich kam diese Dis—
position bis in die achtziger Jahre hinein wesentlich nur den
prächtigen Schilderungen seiner „Wanderungen durch die Mark
Brandenburg“ zu gute. Dann aber, seit 1882, wandte er sich
dem modernen Roman zu, zuerst in „L'adultera“ noch vor—
nehmlich in alten Formen oder wenigstens als ein Mann über—
aus vorsichtigen ÜUberganges, darauf, immer deutlicher neuen
Geist und Stil verratend, in „Cecile“ (1886-87) und
„Irrungen Wirrungen“ (1888). Später folgten dann noch
„Stine“ (1890), „Unwiederbringlich“ (1891 —92), „Frau Jenny
Treibel“ (1892,983), „Effi Briest“ (1895), „Die Poggenpuhls“
(1896) und „Der Stechlin“ (1898). Fontane stand im Beginn
dieses neuen Abschnittes seines Schaffens in der Mitte der
Sechziger; und so trat er dem eingehenden Schilderungs—
bestreben des Impressionismus von vornherein mit der Behag⸗
lichkeit der Erzählungsweise des Alters nahe: er malte mit