Dichtung.
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immer breiterem Pinsel. Zugleich aber ließ ihn seine litte—
rarische Erfahrung die Klippe vermeiden, an der die jungen
impressionistischen Eiferer bei der Durchbildung der großen Kunst⸗
erzählung so leicht scheiterten. Seine Romane wollen nicht die
ganze Zeit umfassen; er begrenzt sie auf kleinere Themata, die
auch mit Mitteln intensivierter Darstellung noch zu erschöpfen
sind. Und auch innerhalb dieses Bereiches erscheint er nicht
als absoluter, am wenigsten als bloß physiologischer Im—
pressionist. Dazu fesselt ihn die eigentlich seelische Seite des
Lebens viel zu sehr. Und so baut er im Grunde mehr die
Psychologie impressionistisch aus und erscheint von dieser Seite
her auch als ein Vermittler zwischen dem ursprünglich mehr
dem Äußerlichen zugewandten und dem späteren, vornehmlich
psychologischen Impressionismus.
Von den zahlreichen Frauen, die namentlich seit den
sechziger Jahren auf dem Gebiete der Kunsterzählung thätig
waren, teils den alten Beruf des Weibes als Märchenerzählerin
erweiternd und fortsetzend, teils von ganz modernen, emanzi—
patorischen Gedanken getrieben, wäre in diesem Zusammenhang
wohl am ehesten Ossip Schubin (Lola Kirschner) zu nennen.
Lola Kirschner steht seit 1884 in unermüdlicher litterarischer
Thätigkeit, und schon ihr erster Roman „Ehre“ zeigte ihre ganze
Art: den sinnlichen Zug und die Begabung, durch geschickt heraus—
gerissene Einzelheiten, die impressionistisch gegeben werden, stark
auf Einbildung und Anschauung zu wirken. Im großen freilich
hält die Dichterin ganz an der alten Romanform fest; sehr
weit ist sie davon entfernt, eine konsequente Neuerin zu sein.
Die merkwürdigsten Persönlichkeiten unter den Übergangs⸗
erzählern aber sind wohl Kretzer und Sudermann. Was sie
miteinander gemeinsam haben, ist freilich nur die Thatsache,
daß sie, jüngere Männer (Kretzer ist 1834 geboren, Sudermann
1857), impressionistischen Fortschritten von vornherein nicht
fremd gegenüberstanden, sondern in und mit ihnen groß wurden.
Sie nahmen daher das naturalistische Ergebnis nicht nachträg—
lich in sich auf, sondern begannen von vornherein mit ihm
zu schaffen und ließen es in sich je länger je mehr wirken.