fullscreen: Theoretische Sozialökonomie

Kap. VI. Der Kapitalzins. 
In den wirtschaftlichen Konzentrationsbestrebungen liegt also ohne 
Zweifel eine Tendenz zu ausgedehnter Anwendung von dauerhaften 
Produktionsmitteln. Gewiß kann aber andererseits die fortschreitende 
Konzentration in gewissen mittleren Betrieben die Ausnutzung der 
schon vorhandenen dauerhaften Produktionsmittel, z. B. der Maschinen, 
verbessern und somit den relativen Bedarf an diesen Produktionsmitteln 
verringern. Dafür rücken aber andere Betriebe in den Kreis der ma- 
schinenverwendenden Betriebe ein, und es ist zweifelhaft, ob überhaupt 
die Gruppe der Betriebe, die Maschinen verwenden, aber unvollständig 
ausnutzen, durch diese Bewegung vermindert wird. Für die Produk- 
tion in ihrer Gesamtheit dürfte also die Konzentrationsbewegung 
eine verstärkte Nachfrage nach dauerhaften Produktionsmitteln be- 
deuten. 
In derselben Richtung wirken drittens die Bestrebungen zu einer 
Organisation des Kredits, durch die Handwerkern und Kleinbauern 
Kapital zum Einkauf von Maschinen, Tieren usw. zur Verfügung ge- 
stellt wird. Unzweifelhaft ist in den betreffenden Betrieben sehr viel 
Platz für eine lohnende Verwendung von festem Realkapital vorhanden. 
Eine Bewegung, welche die Ausnutzung dieser Möglichkeit befördert, 
muß selbstverständlich auch zur Stärkung der Nachfrage nach Kapital- 
disposition führen. 
Es ist viertens eine sehr allgemeine Erscheinung, daß Maschinen 
und Anlagen, die sich ohne jeden Zweifel gut rentieren würden, dennoch 
nicht zur Anwendung kommen, nur weil die Kapitalbeschaffung auf 
gewisse Schwierigkeiten stößt, oder einfach weil die Leiter der Pro- 
duktion nicht mit genügender Aufmerksamkeit der Entwicklung der 
Technik folgen oder mangels richtiger Kalkulation die technisch- 
wirtschaftlichen Bedingungen ihres eigenen Betriebs nicht genau kennen, 
Es ist leicht, sich zu überzeugen, daß diese „Friktionen‘“ des Wirt- 
schaftslebens noch eine sehr große Rolle spielen. Andererseits muß man 
doch annehmen, daß sie sich mindern und daß die allgemeine Entwick- 
Jungstendenz dahin geht, daß dauerhafte Produktionsmittel überall, wo 
sie wirklich lohnend sind, auch immer mehr zur Anwendung kommen. 
Insofern stellt diese Tendenz auch eine Tendenz zur Stärkung der 
Nachfrage nach Kapitaldisposition dar. 
Inwieweit die jetzt genannten Tendenzen auch wirklich in größeren 
Ansprüchen auf Kapitaldisposition für die Anwendung dauerhafter Pro- 
duktionsmittel zum Ausdruck kommen, hängt immer in einem gewissen 
Grade vom Zinsfuß ab. Eine Stärkung der Nachfrage findet im all- 
gemeinen ihre Gegenwirkung in einer Erhöhung des Zinsfußes. Jeden- 
falls werden die genannten Tendenzen zusammen mit den früher fest- 
gestellten Tendenzen der Konsumtion ein fortgesetztes stärkeres Sinken 
des Zinsfußes verhindern. 
Die Frage, ob eine arbeitersparende Maschine in einem bestimmten 
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