60 Erstes Buch. Land, Leute und Technik.
Verständnis der Institutionen und der Entwickelung, des Fortschrittes oder Rückschrittes
der Gesellschaften hängt an diesem Punkte. In Familie und Familienrecht haben wir
die feste Ordnung, welche die Erzeugung der Kinder regeln foll, in unserem Erziehungs—
wesen, in unseren Schulen, im Lehrlingswesen, in den Anfangs- und Vorbereitungsstellen
die gesellschaftlichen Institutionen, welche die heranwachsende Generation durch 5 bis
20 Jahre hindurch für die spätere definitive, oft nicht viel länger dauernde Lebens—
chätigkeit vorbereiten. Die staatliche und wirtschaftliche Organisation stellt sich vom
Standpunkte des Generationswechsels als eine Ordnung fester Laufbahnen dar; das
Lebensglück aller Individuen hängt von der Art ab, wie sie in diesen Laufbahnen
borankommen, wie ihr Einkommen in ihnen sich abstuft und ansteigt, wie die Zahl der
Anfangs-, Mittel- und Endstellen sich zu einander verhält. Die Frage, ob die Eltern
nur bis zum 10. oder 15. oder 25,. Lebensjahre wirtschaftlich für die Kinder sorgen
tönnen, ist in jeder socialen Klasse eine der wichtigsten. Die Ansammlung des Vermögens
in den Händen der älteren Generation macht einen erheblichen Teil ihres Einflusses
aus; der Übergang desselben von einer Generation zur anderen und das Erbrecht ist
eines der wichtigsten Elemente der socialen Ordnung. Die notwendigen Abwandlungen
in den Gefühlen und Anschauungen, in Erziehung und Gesittung von Jahrzehnt zu
Jahrzehnt bedingen, daß in jeder Gesellschaft die Jungen und die Alten sich gegenüber—
sttehen; die Alten, im Besitze der wichtigsten Stellen, des Vermögens, der Erfahrung,
beherrschen nüchtern konservativ die Gesellschaft; die Jungen, im Besitze des idealistischen
Mutes, der frischen Thatkraft, der optimistischen Hoffnungen, drängen voran, sie wollen
ihre neuen Ideale zur Geltung bringen, sie wollen die Stellen und den Einfluß erwerben,
den die Alten haben. Alle Festigkeit der Gesellschaft und alle geordnete Überlieferung
ist bedingt durch die Autorität der Alten, ihre Zahl und ihre Lebensdauer: aller Fort—
chritt durch die frischere Kraft der Jungen.
Sind es derartige allgemeine Betrachtungen, von denen man bei der Würdigung
des Generationswechsels ausgehen muß, so erschließen sich uns die speciellen wirtschaft⸗
lichen Folgen des Altersaufbaues der Gesellschaft besser an der Hand der statistischen
Zahlen. Wir geben nach Mayr folgende Anteile der 10iährigen Altersklassen an je
1000 Individuen der Bepölkerung:
Bulgarien Ungarn England
Frank⸗
reich
88 1891
217 173
14 98 174
8 2 3 161 163
2 37 1 7 25 125 138
8 08 99 .04 109 115 114 123
65 78 71 78 83 78 91 101
45 46 47 52 52 57 64 78
37 29 28 28 27 30 20 *8n
25
Anter 10 Jahren
10-20 Jahre alt
20—-30
30 - 40
10 - 50
50 - 60
30 - 70
äüber 70,
unter 20, J 507 453 452 449 435 432 415 347
20 260 33 411 481 475 471 485 481 101 528
iber 60, J 82 68 75 80 79 87 94 128
—44—
Lassen wir zunächst die Unterschiede dieser Zahlenreihen ganz bei Seite und sehen
uur auf das UÜbereinstimmende. Es sind überall die jüngsten Klassen, als die vom
Tode am wenigsten gelichteten, die besetztesten; fast durchaus ist jede ältere Altersklasse
schwächer als die vorhergehende, aber die Unterschiede zwischen je zwei nächstliegenden
Klassen sind verhältnismähig in der Jugend und im Alter stärker als zwischen dem
20. und 60. Jahre, weil die letzteren Klassen die von Krankheit und Tod am wenigsten
bedrohten sind. Die jugendlichen Klassen bis zu 20 Jahren machen 834 —500/0 der
Bevölkerung, die über 60 jährigen 8213 0/0 aus; die kräftigen 20 — 60 jährigen