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II. Zivilrecht.
Diese ganze Rechtsgestaltung hat etwas ungemein Künstliches und kann dem ur—
sprünglichen Menschen nicht recht zusagen: er kann ein Handeln in die Seele eines andern
nicht verstehn: selbst ein so entwickeltes Verkehrsrecht wie das römische hat die Stell⸗
vertretung nur höchst mangelhaft entwickelt, und auch das deutsche Recht hat sich lange
dagegen gesträubt. Die Überwindung des Hindernisses, welches der großartigen neuen
Rechtsform entgegenstand, ist vorzüglich dem (mit den Anschauungen des Hrients genährten)
kanonischen Recht und der Scholastik zu verdanken!, und insbesondere haben auch die Er—
örterungen über die juristische Person viel dazu beigetragen, den Gedanken zu reifen,
daß eine Person in ein anderes Rechtsgebiet hineinwirken kann. Die modernen Rechte
haben allgemein die Stellvertretung angenommen, und nur wenige Rechtsgeschäfte sind
dieser Rechtsfigur entzogen geblieben.
Die Vollmacht wird natürlich im Leben kaum vorkommen ohne irgendwelche be—
jonderen Ausgleichungen, die einmal darin liegen, daß der Bevollmächtigte Pflichten hat
im Gebrauch der Vollmacht, und daß er Pflichten hat in der Art uͤnd Weise, wie er
sich nach Benutzung der Vollmacht zu den Ergebnissen seiner Tätigkeit stellen soll.
Diese Pflichtenverhältnisse können so gestaltet sein, daß der Bevollmächtigte durchaus für das
Interesse des Vollmachtgebers wirken muß, oder auch so, daß er dem gemeinsamen Interesse
dient, oder endlich so, daß er allein für sein eigenes Interesse handelt, aber doch gewisse
Schranken einhalten muß, soweit er die fremde Rechtssphäre sich selber dienstbar macht.
Der erste Fall ist der des Auftrags, der zweite der des Gesellschaftsverhältnisses,
der dritte Fall hat keine besondere rechtliche Kategorie, doch muß, soweit nicht die
Besonderheit zutrifft, die Regel des Auftragsverhältnisses Anwendung finden. Es ist
nun auf der einen Seite eine große Errungenschaft gewesen, als man die Einheit der
Vollmacht gegenüber diesen verschiedenen Pflichtverhältnissen erkannte und insbesondere
Das babylonische Recht muß die Stellvertretung gekannt haben; hier bestanden Filialen der Haupt⸗
häuser. Die Vollmacht tritt uns besonders kräftig in venezianischen Urkunden entgegen, dit, am
Rialto oder in Konstantinopel ausgestellt, sich auf den grientalischen Verkehr beziehene So beispiels⸗
weife in folgender wichtigen Urkunde aus Konstantinopel von 1189 CArchiio Vehbeto XX p. 55):
Omnis commissio, cum alicui committitur, scripture vinculo debet annodari, ut, cum alicubi
ostenditur, removeri valeat omnis dubitacio. Qua propter ego...... do et committo vobis
Andruzane nepecie meer.. et dominico albano nepoti meo, ut amodo in antea ambo ét unus
solum de vobis, in cuius manibus hanc presentem cartam commissionis apparuerit, totam
meam plenissimam virtutem et potestatem hahbéatis de una videlicet pecin de terrave
IuS vero.. pecia de terra.... totam méam potestatem habeéatis inquirendi, interpellandi,
advocatores inveniendi, placitandi intromittendi, dominandi, tenendi, vendendi, donandi, impegnandi,
commutandi, alienandi et, quicquid inde vobis placuerit, faciendi nullo obis bomine
ꝛontradicente.
Ähnliche Urkunden vom Rialto, datiert von 1176, 1179, 1192 finden sich im Arch. Veneto IX
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Quittungh de suprascriptis omnibus féceris, firmam conserrabo in perpétuum. Quod si
contra hanc meam commissionis cartulam ire temptavero, componere promitto cum meéis
successoribus tibi et quibuscumque securitatem pro me feceris et ius a erum heredibus
auri libras quinque.,
Eine andere Vollmachtserteilung, auch vom Rialko, von 1188 treffen wir im Codice Padovano
I Nr. 1473, wo es gleichfalls heißt: quamcumque igitur cartam exinde feceris et quicquid inde
feceris, à me ratum et firmum pérpetuo conservabitur. Si ego contra hanc commissionis
rartam ire umquam temptavero, componero promitto. auri lbras quinque et hec commissionis
carta in sua rmitate permaneat. - Im 18. und 14. Jahrhundert wird die direkte
Wirkung der Stellvertretung von den Stadtrechten klar anerkannt. So Como 12832 Art. 3264 (Mon.
hist. patr. XVI p. 98): tantum valeéat et prosit inli, ad cujus partem vei cujus nomine facta
est vel recepta, ac Si illam cartam vel contractum vel obligationem recepisset. Ebenso ent hatt
das Stadtrecht von Brescia, 1313 II1 189 (Mon. h. patr. IIP. 1769) folgende aus dem Jahre 1252
stammende Bestimmung: quod ex omni contractu inito et facto nomine alterius, tam de mercato
Juam de aliis rebus, aquiratur actio éêt aquisita sit illi vel illis, quorum vei cujus nomine
contractus sive promissio factus est vel facta. In Castellarquato 1445, 1V6 heißt es:
quilibet possit stipulari et aquirere nomine et viee alteriusc ipsa stipulatione sus et
actio aquiratur illi cujus nomine stipulatum .., fuerit.
Voll ausgebildet ist die Stellvertretung kraft Vollmacht, allerdings hauptsächlich für den Prozeß,
aber auch allgemein, bei Durantis Spec., de procur. T384 und bei Braumgbbiriv