Der Begriff der Hypothese.
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Vorstellungsweise darzubieten schien, die Mängel beider Ansichten
nicht prinzipiell überwand.‘®) Die Forderung der blossen „Be-
schreibung“ der Phänomene und die Frage nach ihrer kausalen
„Erklärung“ standen somit einander noch unvermittelt gegenüber:
erst Kepler ist es, der beide Aufgaben, die er logisch scharf zu
sondern weiss, durch seine wissenschaftliche Leistung in Eins
fasst. Nun könnte es zunächst als eine innere, sachliche Schwierig-
keit erscheinen, wenn auch er der „astronomischen‘“ Hypothese, die
nur den Zwecken der Rechnung dient, die „physische“ entgegen-
stellt. Denn — so darf man im Sinne seiner eigenen Grundge-
danken fragen — ist in der Funktionsgleichung, in der die
Rechnung zu ihrem Abschluss und Ziel gelangt, nicht auch das
volle Sein der Planetenbewegung im wissenschaiftlichen Sinne er-
schöpft? Und scheint es nicht, als sollten neben und ausserhalb
der mathematischen Gesetzlichkeit der Bewegung wiederum
verborgene Qualitäten und innere Kräfte in ihr anerkannt werden,
die sich der Rechnung entziehen? Dieser Verdacht ‘schwindet
indes, sobald man die Grundtendenz der Keplerschen Unter-
scheidung näher erwägt und ihrer Ausführung im einzelnen nach-
geht. Die Ergänzung, die für die Mathematik gefordert wird,
verbleibt selbst durchaus im Bereich der Phänomene: das Ziel
ist nicht, die Erscheinungen, statt sie bloss zu berechnen, in ihrer
absoluten metaphysischen Wesenheit zu begreifen, sondern sie
auf Gesetze zurückzuführen, in denen jedoch nicht bloss die
geometrischen, sondern die physikalischen Grundbeziehungen
des empirischen Seins sich darstellen. Damit eine Hypothese
„wahr“ sei, genügt es nicht, dass sie einzig und allein die
astronomischen Erscheinungen, die doch nur einen begrenzten
Ausschnitt aus unserer Gesamterfahrung bilden, in einer kurzen
Formel zum Ausdruck bringt: sie muss sie zugleich in einer
Weise wiedergeben, die unserer Einsicht in die Bedingungen
alles konkreten Naturgeschehens überhaupt entspricht. Die
Begründung der Astronomie kann nur im Zusammenhang mit
der wissenschaftlichen Grundlegung der Physik geleistet
werden. Das ist der entscheidende Vorzug der echten „physischen“
Hypothese, wie Kepler sie fordert und darbietet: dass sie nicht
als Abdruck eines bestimmten Teilgebiets, nicht aus einer Summe
test umschränkter Himmelsbeobachtungen entstanden ist, sondern