Object: Die Entwicklung der Weißgerberei

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eines Rotgerbers ’); den mit den Hugenotten im Fürstentum Ansbach 
eingewanderten Gebrüdern Garnier wurde ein eigenes „Gerberhaus" zur 
Verfügung gestellt^), etwas später mußten die französischen Gerber in 
Schwabach das an sie vermietete Haus räumen 8 9 ), in Berlin, Bremen, 
Göttingen wurde Leder in einem eigenen „Lederhof" hergestellt^), ein 
luxemburgisches Weistum aus Schengen 1624 berichtet von einem Dieb 
stahl „etzlicher riendsheuth aus der kaullen zu Ellringen" 5 ), die Gerber in 
Tiflis arbeiten gemeinsam in einem großen Gebäude „Dabag-Chana", 
Gerberstütte genannt 8 ), und in einer der größten Gerbereien zu Kon 
stantine, Algier, stnden sich etwa ein Dutzend in den Boden einge 
mauerter Kalkgefäße 7 ) zum Äschern 8 ). 
Das sind lauter Vorstellungen, welche sich nicht allzuweit von den 
uns geläufigen entfernen; die Dorfkuhle zu Ellringen ist wahrscheinlich 
eine Grube im Boden, welche den Dorfbewohnern zur Verfügung stand, 
kurz, wir finden die Gruben im Boden wieder, die Werkstätte des 
Gerbers ist ein Haus, ein fest bestimmtes Gebäude; nur in dem einen 
Punkte scheinen sich die Verhältnisse geändert zu haben, daß nämlich 
in fast allen zitierten Beispielen die Gerber an einer ihnen allen ge 
meinsamen Produktionsstätte zusammengezogen waren, wobei allerdings 
meist Rotgerber in Betracht kamen. Auf die weiteren wirtschafts 
geschichtlichen Konsequenzen, welche sich aus dieser Tatsache für Rot 
gerber ziehen lassen, kann hier nicht eingegangen werden. 
Untersuchen wir nun den Inhalt einer Werkstatt etwas genauer. 
Wir wollen zunächst die in der Werkstatt vorhandenen Gefäße be 
trachten. In der Gerberstätte zu Tiflis finden wir eine Reihe von 
Kufen nebeneinander stehen °), und in der Gerberei von Konstantine 
stehen in einem Hofe etwa 60 hölzerne Gerbekufen in der Form ge 
wöhnlicher Tonnen 10 * ); neben dem Jrher der Mendelschen Zwölfbrüder 
stiftung steht eine hölzerne mit Fellen fast bis zum Rande gefüllte 
Tonne"); die Siegel der Rotgerberzünfte stellen sehr häufig einen Mann 
dar, welcher etwa zur Hälfte aus einer auf dem Boden stehenden Tonne 
herausschaut 12 ), das gleiche Bild findet sich hin und wieder auf den 
außen am Hause angebrachten Schildern zur Bezeichnung des Hand- 
') Ebenda. 2 ) Schanz 1884, S. 266. s ) Schanz 1884, S. 279. 
4 ) Beckmann 1796, S. 293. °) Dunker 1908, S. 117. 
*0 Tarajanz 1897, S. 48. 
’) Schuh und Leder 1898, Nr. 22, S. 29. 
9 ) Siehe auch Cook 1789, Bd. IV, S. 97; Lippert 1886, Bd. I, S. 314. 
9 ) Tarajanz 1897, S. 48. 10 ) Schuh und Leder 1898, Nr. 22, S. 29. 
") Mendel S. 92 und 119 a. 
12 ) Vgl. Seyler 1898, S. 79 f. und Landau S. 30
	        
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