Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

138

Werks a ),  und  nach  der  Piazza  gehören  zu  den  Werkzeugen  der  Gerber
auch  die  „Bütten".
Wir  sehen  also,  daß  die  Werkstatt  des  Gerbers  einen  ganz  anderen
Charakter  haben  kann,  als  wir  ihn  gewöhnt  sind:  Die  Gerbgefäße  sind
nicht  immer  in  den  Boden  eingelassene  Gruben,  sondern  es  können  auch
auf  der  Erde  stehende  Tonnen  sein.
Wie  verhält  es  sich  nun  mit  den  Äschern,  welche  zur  Haarlockerung
den  Kalk  enthalten?  In  Bulgarien  besteht  dieser  Ascher  des  Gerbers
aus  einem  einfachen,  großen  hölzernen  Trog^),  und  die  Äscher  der
Pergamenter  führten  noch  im  18.  Jahrhundert  den  Namen  „Brunnen"
oder  „Brunnenäscher";  eine  solche  Bezeichnungsweise  enthält  offenbar
schon  in  ihrem  Namen  einen  bewußt  ausgedrückten  Gegensatz  mit  Zuständen, ­
  welche  auch  noch  anders  sein  können:  im  Gegensatz  zu  dem
auf  der  Erde  stehenden  Äschergefäß  gab  es  auch  Äscher,  welche  nach  Art
des  Brunnens  in  den  Boden  vertieft  waren  und,  um  diesen  ausdrücklichen ­
  Unterschied  anzudeuten,  hat  man  die  Bezeichnung  Brunnen  allein
oder  in  Verbindung  mit  dem  Worte  Äscher  gewählt.  Die  Nürnberger
Ordnung  von  1539  sagt  uns,  daß  „sich  zwischen  dem  weyßgerber
handtwerckh  irrung  zutragen  vnnd  gehalten  hat,  das  setzen  der  kueffen,
korb  vnnd  annderes  am  Wasser  betreffendt"  8 ),  und  weiter  hören  wir  vom
„escher  auff  dem  steeg";  es  soll  „derselbig  escher  daselbst  auf  dem
steg  nit  lennger  steen  pleyben"  4 ),  kurz,  was  wir  oben  von  den  Gruben
und  anderen  Gerbegefäßen  gesehen  haben,  das  erfahren  wir  aus  solchen
Daten  auch  für  den  Äscher.
Die  Werkstatt  des  Gerbers  stellt  sich  uns  also  nunmehr  schon  ganz
anders  dar,  als  das  übliche  Bild  unserer  Vorstellung  aussieht;  Vertiefungen ­
  im  Boden  in  großer  Zahl,  eingemauerte  Gruben,  in  den
Boden  eingelassene  Tonnen  gehören  nicht  zum  unbedingten  Inventar
der  mittelalterlichen  Gerberwerkstatt.
Der  Schabebaum,  das  typische  Gerät  unserer  Gerberwerkstätten,
findet  sich  nicht  in  der  mittelalterlichen  Werkstatt.  Wir  erfahren  Mitte
des  17.  Jahrhunderts,  daß  die  Rotgerber  die  Häute  „nach  allem  Lüsten
bereiten,  wobei  die  Arbeiter  bis  an  die  Waden  im  Dreck  stehen"  8 );
gilt  das  an  dieser  Stelle  Gesagte  hauptsächlich  für  Rotgerber,  so  zeigt
uns  eine  Abbildung  aus  dem  Ende  des  16.  Jahrhunderts  ausdrücklich
einen  Weißgerber  hinter  dem  Schabebauin,  welcher  in  einem  anscheinend
seichten  Bache  tatsächlich  bis  an  die  Kniee  im  Wasser  stehend  die  Felle
abpält 6 ).  Wir  sehen  also,  daß  der  Schabebaum  nicht  in  der  Werkstatt,
*)  Z.  B.  im  Rothenburger  Ortsmuseum.  2 )  Tarajanz  1897,  S.  47.
3 )  Nürnberg  1536,  M.  S-,  452.  *  *)  Ebenda.
°)  Piazza  1659,  S.  500.
•)  Siehe  Abbildung  bei  Mummenhoff  1901,  S.  44  und  Frisius  1708,  S.  423.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.