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Werks a ), und nach der Piazza gehören zu den Werkzeugen der Gerber
auch die „Bütten".
Wir sehen also, daß die Werkstatt des Gerbers einen ganz anderen
Charakter haben kann, als wir ihn gewöhnt sind: Die Gerbgefäße sind
nicht immer in den Boden eingelassene Gruben, sondern es können auch
auf der Erde stehende Tonnen sein.
Wie verhält es sich nun mit den Äschern, welche zur Haarlockerung
den Kalk enthalten? In Bulgarien besteht dieser Ascher des Gerbers
aus einem einfachen, großen hölzernen Trog^), und die Äscher der
Pergamenter führten noch im 18. Jahrhundert den Namen „Brunnen"
oder „Brunnenäscher"; eine solche Bezeichnungsweise enthält offenbar
schon in ihrem Namen einen bewußt ausgedrückten Gegensatz mit Zu
ständen, welche auch noch anders sein können: im Gegensatz zu dem
auf der Erde stehenden Äschergefäß gab es auch Äscher, welche nach Art
des Brunnens in den Boden vertieft waren und, um diesen ausdrück
lichen Unterschied anzudeuten, hat man die Bezeichnung Brunnen allein
oder in Verbindung mit dem Worte Äscher gewählt. Die Nürnberger
Ordnung von 1539 sagt uns, daß „sich zwischen dem weyßgerber
handtwerckh irrung zutragen vnnd gehalten hat, das setzen der kueffen,
korb vnnd annderes am Wasser betreffendt" 8 ), und weiter hören wir vom
„escher auff dem steeg"; es soll „derselbig escher daselbst auf dem
steg nit lennger steen pleyben" 4 ), kurz, was wir oben von den Gruben
und anderen Gerbegefäßen gesehen haben, das erfahren wir aus solchen
Daten auch für den Äscher.
Die Werkstatt des Gerbers stellt sich uns also nunmehr schon ganz
anders dar, als das übliche Bild unserer Vorstellung aussieht; Ver
tiefungen im Boden in großer Zahl, eingemauerte Gruben, in den
Boden eingelassene Tonnen gehören nicht zum unbedingten Inventar
der mittelalterlichen Gerberwerkstatt.
Der Schabebaum, das typische Gerät unserer Gerberwerkstätten,
findet sich nicht in der mittelalterlichen Werkstatt. Wir erfahren Mitte
des 17. Jahrhunderts, daß die Rotgerber die Häute „nach allem Lüsten
bereiten, wobei die Arbeiter bis an die Waden im Dreck stehen" 8 );
gilt das an dieser Stelle Gesagte hauptsächlich für Rotgerber, so zeigt
uns eine Abbildung aus dem Ende des 16. Jahrhunderts ausdrücklich
einen Weißgerber hinter dem Schabebauin, welcher in einem anscheinend
seichten Bache tatsächlich bis an die Kniee im Wasser stehend die Felle
abpält 6 ). Wir sehen also, daß der Schabebaum nicht in der Werkstatt,
*) Z. B. im Rothenburger Ortsmuseum. 2 ) Tarajanz 1897, S. 47.
3 ) Nürnberg 1536, M. S-, 452. * *) Ebenda.
°) Piazza 1659, S. 500.
•) Siehe Abbildung bei Mummenhoff 1901, S. 44 und Frisius 1708, S. 423.