Full text: Die Entwicklung der Weißgerberei

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aber von geringer Wichtigkeit im Vergleich mit der Ermöglichung dieses 
Standortes durch die Errungenschaften auf dem Gebiete der Extrakt 
fabrikation, ein Punkt, welcher von großer ökonomischer Bedeutung ist, 
weil er den handwerksmäßigen Betrieb der Weiß- und Rotgerberei 
unabhängig von Lohegebieten begünstigt und ermöglicht hat; denn vor 
der Einführung der Rinden- und Holzextrakte waren, wie oben kurz 
gezeigt wurde, die Lohgerbereien gebunden an die Rindenproduktions 
plätze; es war billiger, die Häute nach den Rindenzentren und das 
Leder nach den verschiedenen Punkten seines Verbrauches zu transportieren, 
als die Rinde nach dem Mittelpunkt der Rinderschlachtbezirke zu schaffen. 
Erst durch die Einführung des Quebrachoholzextraktes wurde dieser 
Zustand geändert ff, und dadurch wurde, allerdings hauptsächlich für 
die vegetabilische Gerbung, eine ganz andere geographische Verteilung 
ermöglicht; denn nunmehr wandert die Gerberei den Rohmaterialien 
oder ev. auch dem Absatz nach; so entstanden die großen Lohgerbereien 
an den Häuteimporthäfen, so konnte der irgendwo gelegene Weißgerber 
sich billig das vegetabilische Gerbungsmittel verschaffen, und so können 
auch die großen Schuhfabriken ohne Rücksicht auf die hohen Transport 
kosten für Lohe im Sinne der vertikalen Konfiguration sich eigene 
Gerbereien angliedern. 
Während also die Weißgerberei, besonders die Glacegerberei, in 
ihrem Standorte hauptsächlich dem Absatz folgt, sucht die Rotgerberei 
mit ihren Rohmaterialien, ursprünglich mit der Lohe, späterhin mit 
den Häuten und Fellen, in Beziehung zu treten, und wenn sie im 
Anschluß an die Weißgerberei auftritt, gehorcht sie häufig den Gesetzen, 
welche für den Standort der Weißgerberei maßgebend sind, und dieses 
letzte Verhältnis, ein Ergebnis der letzten Phase, wurde erst ermöglicht 
durch Einführung des Gerbestoffextraktes. 
12. Kapitel. 
Die hygienischen Verhältnisse -er Wrißgerberei. 
8 36. Die Wasserfrage. 
Unter einem doppelten Gesichtspunkt ist die Wasserfrage der 
Gerbereien ein Punkt von vitalster Bedeutung für dieses Gewerbe; 
Vgl. M. A. Gerbemethoden 1903, S. 11; auch Wirtschaftskunde 1904. 
Bd. III, S. 720.
	        
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