Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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gelegentlich  gänzlich  ausblieb  *).  Die  Weißgerber  in  Köln  hatten  vornehmlich ­
  die  Gegend  des  Pellesgrabens,  die  Weißgerbereckgasse  und  die
Weißbüttengasse  inne;  in  diesen  Straßenzügen  der  dicht  bewohnten
inneren  Stadt  liegen  die  Gerbereien  noch  bis  heute,  und  seit  der  Kanalisation ­
  dieser  Wasserläufe  wird  der  Wasserbedarf  durch  eine  Wasserleitung ­
  gedeckt *  2 ).  In  Nürnberg  lag  in  der  Jrhergasse  das  viel  besuchte
Jrherbad,  dessen  warme  Abwässer  die  Weißgerber  wohl  zu  benutzen
wußten.  In  Konstantine,  der  Hauptstadt  des  algerischen  Departements,
liefert  selbst  den  größten  Gerbereien  die  städtische  Wasserleitung  das
nötige  Wasser 3  * );  in  der  Nähe  von  Tanger  sind  die  aus  rohen  Ziegelbauten ­
  bestehenden  Geschirre  der  Gerbereien  nur  mit  Erde  gedichtet,
und  sie  befinden  sich  nur  etwa  20  Fuß  vom  Hauptbrunnen  entfernt,
welcher  Tanger  mit  Trinkwasser  versieht  H;  in  Tiflis  sind  die  Gerber
in  einem  Viertel  der  Stadt  konzentriert,  nämlich  dort,  wo  die  berühmten
heißen  Mineralquellen  aus  der  Erde  kommen,  und  wo  sich  deswegen
auch  alle  Badeanstalten  befinden 3 );  die  Wiener  Gerber  beschwerten
sich  1883,  als  die  Benutzung  der  Hochquellenleitung  für  industrielle
Zwecke  ausdrücklich  verboten  wurde 3  * ),  und  1800  wurde  ein  Gesuch
eines  Uffenheimer  Gerbers,  betreffend  einen  Anstich  am  Stadtbronnen
der  oberen  Vorstadt,  abgewiesen  mit  der  Begründung,  daß  seine  Mitmeister ­
  sämtlich  keine  lausenden  Brunnen  haben,  daß  sein  Betrieb  nicht
beträchtlicher  sei  als  der  der  übrigen  Gerber,  daß  er  sich,  wie  die
anderen  Meister  auch,  mit  dem  aus  seinem  Ziehbrunnen  geschöpften
Wasser  begnügen  müsse,  und  daß,  wenn  ihn  dieser  wirklich  in  Not
lassen  sollte,  er  nur  50  Schritte  vom  öffentlichen  laufenden  Brunnen
entfernt  sei,  wo  er  sich  das  allenfalls  noch  abgängige  Wasser  holen
könnte 7 ).  Diese  Beispiele  illustrieren  einwandfrei  das  oben  Gesagte,
wie  auch  die  Darlegungen  des  §  34  über  die  örtliche  Lage  der  Weißgerbereien, ­
  auf  welche  hier  nochmals  hingewiesen  sei.
Die  Beschaffung  genügenden  und  guten  Wassers  für  seine  Gerberei
ist  die  Sorge  des  Gerbers  selbst;  aber  die  Sorge  um  die  Abwässer  im
Interesse  des  allgemeinen  Wohles  ist  die  Aufgabe  der  Gesetzgebung;
denn  die  Verunreinigungen  durch  Gerbereien  sind  von  dreierlei  Art;
nämlich  einmal  sind  es  Verunreinigungen  durch  vorwiegend  mineralische
Stoffe,  wie  Kalk,  und  besonders  Arsenik  bei  Weißgerbereien,  zweitens
stickstoffhaltige,  säulnisfähige  organische  Stoffe,  und  drittens  unter  Umständen ­
  Infektionserreger,  wie  z.  B.  die  Milzbrandsporen,  welche  best ­
  Schauplatz  1767,  Bd.  VI,  S.  108,  132.
2 )  Wirminghaus  1895,  S.  250.
st  Schuh  und  Leder  1898,  Nr.  22,  S.  29.
st  Gerber  Courier  1907,  Nr.  34.  st  Gogitschayschwili  1891,  S.  94.
st  Schönmann's  Journal  1883,  Nr.  34.  st  Uffenheim  1800.
Ebert,  Entwicklung  der  Weibgerberei.  23
            
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