VII. Die Entstehung des modernen Kapitalismus. 445
in den Weg treten. Mehrere!) von diesen werden sJich ergeben,
wenn wir uns einigen Kontroversen über die spezielle Gestaltung
von Gewerbe und Handel in der Zeit der Stadtwirtschaft zu-
wenden.
§ 2. Die Handwerker des Mittelalters.
Um aus Büchers Definition des mittelalterlichen Handwertks,
über die wir schon ausführlich gesprochen haben, das Wichtigste
hervorzuheben, so bestimmt er es, wie eben bereits angedeutet,
als Kundenproduktion: „Der Handwerker arbeitet immer für
den Konsumenten seines Produkts." Es besteht zwischen beiden
ein persönliches Verhältnis. Bücher schildert das Wesen des
Handwerks auch noch in etwas anderer Weise, nämlich nach der
Länge des Wegs, den das Produkt vom Produzenten bis zum
Konsumenten zurückzulegen hat: das Absatzgebiet ist ein lokales,
die Stadt und ihre nähere Umgebung. Wie man sieht, deckt sich
diese Definition nicht ganz mit der ersteren. Aber beide sind dem
Begriff der Stadtwirtschaft entnommen. Hiergegen wendet sich
Sombart mit der heftigsten Polemik. Er wirft Bücher vor, daß
er fremdes geistiges Eigentum nur zugesstutt habe, und daß
diese Änderung eine Verflachung bedeute. Die Büchersche
Theorie sei „geradezu falsch, mindestens außerordentlich leicht
irreführend“ (S. 53). Zur Widerlegung der ersten Anschuldi-
gung verweise ich auf meine frühere Darlegung?). Jn bezug auf
1) Über die verschiedenen Umstände, die der Ausbildung größerer
Einzelwirtschaften im Mittelalter entgegenstanden, s. oben Nr. VI.
2) S. oben S. 170 ff. Sombart (S. 53) behauptet, daß Bücher
„in allen wesentlichen Punkten“ auf Rodbertus, Marx, Engels, Schmol-
ler fuße. Rodbertus würde er in der Schilderung der Verhältnisse des
Altertums, aber nicht des Mittelalters folgen. .Marx und Engels konnten
ihm zum mindesten nichts Detailliertes bieten. Über Schmoller s.
oben S. 148ff. Während Sombart Bücher Abhängigkeit von Marx
vorwirft, erklärt Plenge, Annalen 5, S. 502, daß „Bücher von Marx
so gut wie nichts gelernt hat“. Vgl. übrigens Plenge S. 45: „Marx
ist und bleibt das Gegenteil eines von der Fülle der Gestalten des
Lebens immer wieder zur Beobachtung verlockten und aus der Be-
obachtung gestaltenden großen Empirikers. Engels ... nur Dilettant.“
Val. Jahrb. f. Nationalsök. 106, S. 668.