Full text: Recht der Schuldverhältnisse (Bd. 2)

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fuhren so lange fort, reichlich zu strömen, daß es einem ordentlich schwer wurde, 
sich es als möglich zu denken, daß je wieder Mangel oder Not eintreten könnte. 
Man hielt daher die Verlegenheit, welche gleich nach dem Ende des Krieges 
eintrat, für vorübergehend, und das Publikum, das sich sträubte, den Gedanken 
von Elend mit so glänzenden politischen Resultaten, als uns der Krieg brachte, 
im Zusammenhänge zu denken, gab sich der Erwartung hin, daß alle Not ver 
schwinden würde, sobald UUr erst der Friede recht befestigt wäre. Das Jahr 1798 
wird lange merkwürdig für uns bleiben, da es sich mitten im fürchterlichsten 
Kriege durch einen vorteilhaften Handel auszeichnete. Der Krieg wird nämlich 
sonst gewöhnlich als eine Zeit der Verlegenheit und der Armut betrachtet, und 
diesmal schien er unsere Nation mit Glück und Wohlstand zu überschütten. 
Das individuelle Einkommen nahm während des Krieges beträchtlich zu. E s 
fand eine äußerst merkwürdige Zunahme unserer inneren 
Landesindustrie statt. Die Armee, die Seemacht, die Vermehrung der 
öffentlichen Ämter, welche der Krieg notwendig machte, eröffneten mit einem 
Male einer großen Menge von Menschen aus allen Ständen eine größere 'Laufbahn, 
und indem die neuen Beschäftigungen eine große Menge Kandidaten Wegnahmen, 
brachten sie zugleich ein starkes Leben in den Ackerbau, in den Handel und in alle 
Gewerbe. Was waren die Ursachen unserer großen und uner 
warteten Verlegenheiten nach dem Friedensschluß? Nicht eine 
Verminderung unserer Erwerbsmittel an sich betrachtet, sondern eine allgemeine 
Veränderung in der Art und Weise, sie anzuwenden, eine plötzliche Entfernung 
des Stachels zur Industrie, nämlich das Aufhören des Krieges, enthält diese 
Ursachen. In keinem der vorhergehenden Kriege war unsere Militärmacht bis 
zu einer solchen Größe und zu einem solchen Umfang entwickelt worden. Die 
Zahl unserer Milizen, Soldaten und Matrosen, welche plötzlich abgedankt wurden, 
belief sich auf etwa Zwei- bis Dreimalhunderttausend. Die meisten kehrten zu 
produktiven Arbeiten zurück, deren eine große Menge unserer Manufakturisten, 
wahrscheinlich auch nicht weniger als Hunderttausend, plötzlich ihre Beschäftigung 
verloren, die sie bisher bei Verfertigung von Kriegsgerätschaften, Montierungen, 
Waffen und anderen zum Kriege nötigen Dingen gehabt hatten. Daraus ent 
stand eine plötzliche Überfüllung von arbeitenden Leuten und ein nicht minder 
plötzliches Fallen des Arbeitslohnes. Während des Krieges gingen alle unsere 
Anlagen und Unternehmungen, sowohl private als auch öffentliche, ins Große; 
alle diese Unternehmungen waren auf eine solche Nachfrage und auf solche Zah 
lungsfähigkeit berechnet, die alles übertraf, was ntan im Friedenszustande in 
dieser Art zu sehen gewohnt war. Manufakturen, Handelshäuser, Erziehungs 
anstalten und eine Menge unserer Etablissements der verschiedensten .Ärt, nicht 
bloß in der Hauptstadt, sondern auch selbst in den Provinzen, waren fast sämt 
lich auf eine Nation berechnet, die nicht nur an Zahl, sondern auch an Reichtum 
in stetem Wachstum begriffen ist.“ 
Der zweite Schriftsteller ist Henry George, Amerikaner, einer der Haupt 
begründer der Bodenreformbewegung. Er wirkte in der zweiten Hälfte des 
19. Jahrhunderts und gab sehr packend die Wirkungen des amerikanischen Sezes 
sionskrieges wieder. Wir lesen in seinen „Sozialen Problemen“ folgendes: „In 
Amerika gibt es zu allen Zeiten große und in schwierigen Zeiten ungeheure 
Mengen von Menschen, die mit aller Anstrengung Arbeit und Gelegenheit suchen, 
für die durch Arbeit hervorgebrachten Dinge Arbeit zu geben; nichts zeigt viel 
leicht klarer die beständig vor sich gehende enorme Verschwendung von produk 
tiven Kräften, als der Umstand, daß die blühendsten Zeiten, welche 
dieses Land erlebt hat, die Zeiten des Bürgerkrieges n aren, 
als wir große Flotten und Armeen unterhielten und Millionen unserer industriellen 
Bevölkerung genug zu tun hatten, um dieselben mit Gütern zur unproduktiven 
Konsumtion <^er zu leichtsinniger Vernichtung zu versehen. Es ist vergebens, 
von einer eingebildeten Blüte dieser gedeihlichen Zeiten zu reden. Die Massen 
des Volkes lebten besser, kleideten sich besser, fanden es 
leichter, ihren Lebensunterhalt zu gewinnen, und hatten 
mehr Überfluß und Vergnügen als in gewöhnlichen Zeiten. 
Im Norden war mehr tatsächlicher, sichtbarer Reichtum am Schlüsse des Krieges 
vorhanden, als beim Beginne desselben. Auch war es nicht die große Ausgabe
	        
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