48
fuhren so lange fort, reichlich zu strömen, daß es einem ordentlich schwer wurde,
sich es als möglich zu denken, daß je wieder Mangel oder Not eintreten könnte.
Man hielt daher die Verlegenheit, welche gleich nach dem Ende des Krieges
eintrat, für vorübergehend, und das Publikum, das sich sträubte, den Gedanken
von Elend mit so glänzenden politischen Resultaten, als uns der Krieg brachte,
im Zusammenhänge zu denken, gab sich der Erwartung hin, daß alle Not ver
schwinden würde, sobald UUr erst der Friede recht befestigt wäre. Das Jahr 1798
wird lange merkwürdig für uns bleiben, da es sich mitten im fürchterlichsten
Kriege durch einen vorteilhaften Handel auszeichnete. Der Krieg wird nämlich
sonst gewöhnlich als eine Zeit der Verlegenheit und der Armut betrachtet, und
diesmal schien er unsere Nation mit Glück und Wohlstand zu überschütten.
Das individuelle Einkommen nahm während des Krieges beträchtlich zu. E s
fand eine äußerst merkwürdige Zunahme unserer inneren
Landesindustrie statt. Die Armee, die Seemacht, die Vermehrung der
öffentlichen Ämter, welche der Krieg notwendig machte, eröffneten mit einem
Male einer großen Menge von Menschen aus allen Ständen eine größere 'Laufbahn,
und indem die neuen Beschäftigungen eine große Menge Kandidaten Wegnahmen,
brachten sie zugleich ein starkes Leben in den Ackerbau, in den Handel und in alle
Gewerbe. Was waren die Ursachen unserer großen und uner
warteten Verlegenheiten nach dem Friedensschluß? Nicht eine
Verminderung unserer Erwerbsmittel an sich betrachtet, sondern eine allgemeine
Veränderung in der Art und Weise, sie anzuwenden, eine plötzliche Entfernung
des Stachels zur Industrie, nämlich das Aufhören des Krieges, enthält diese
Ursachen. In keinem der vorhergehenden Kriege war unsere Militärmacht bis
zu einer solchen Größe und zu einem solchen Umfang entwickelt worden. Die
Zahl unserer Milizen, Soldaten und Matrosen, welche plötzlich abgedankt wurden,
belief sich auf etwa Zwei- bis Dreimalhunderttausend. Die meisten kehrten zu
produktiven Arbeiten zurück, deren eine große Menge unserer Manufakturisten,
wahrscheinlich auch nicht weniger als Hunderttausend, plötzlich ihre Beschäftigung
verloren, die sie bisher bei Verfertigung von Kriegsgerätschaften, Montierungen,
Waffen und anderen zum Kriege nötigen Dingen gehabt hatten. Daraus ent
stand eine plötzliche Überfüllung von arbeitenden Leuten und ein nicht minder
plötzliches Fallen des Arbeitslohnes. Während des Krieges gingen alle unsere
Anlagen und Unternehmungen, sowohl private als auch öffentliche, ins Große;
alle diese Unternehmungen waren auf eine solche Nachfrage und auf solche Zah
lungsfähigkeit berechnet, die alles übertraf, was ntan im Friedenszustande in
dieser Art zu sehen gewohnt war. Manufakturen, Handelshäuser, Erziehungs
anstalten und eine Menge unserer Etablissements der verschiedensten .Ärt, nicht
bloß in der Hauptstadt, sondern auch selbst in den Provinzen, waren fast sämt
lich auf eine Nation berechnet, die nicht nur an Zahl, sondern auch an Reichtum
in stetem Wachstum begriffen ist.“
Der zweite Schriftsteller ist Henry George, Amerikaner, einer der Haupt
begründer der Bodenreformbewegung. Er wirkte in der zweiten Hälfte des
19. Jahrhunderts und gab sehr packend die Wirkungen des amerikanischen Sezes
sionskrieges wieder. Wir lesen in seinen „Sozialen Problemen“ folgendes: „In
Amerika gibt es zu allen Zeiten große und in schwierigen Zeiten ungeheure
Mengen von Menschen, die mit aller Anstrengung Arbeit und Gelegenheit suchen,
für die durch Arbeit hervorgebrachten Dinge Arbeit zu geben; nichts zeigt viel
leicht klarer die beständig vor sich gehende enorme Verschwendung von produk
tiven Kräften, als der Umstand, daß die blühendsten Zeiten, welche
dieses Land erlebt hat, die Zeiten des Bürgerkrieges n aren,
als wir große Flotten und Armeen unterhielten und Millionen unserer industriellen
Bevölkerung genug zu tun hatten, um dieselben mit Gütern zur unproduktiven
Konsumtion <^er zu leichtsinniger Vernichtung zu versehen. Es ist vergebens,
von einer eingebildeten Blüte dieser gedeihlichen Zeiten zu reden. Die Massen
des Volkes lebten besser, kleideten sich besser, fanden es
leichter, ihren Lebensunterhalt zu gewinnen, und hatten
mehr Überfluß und Vergnügen als in gewöhnlichen Zeiten.
Im Norden war mehr tatsächlicher, sichtbarer Reichtum am Schlüsse des Krieges
vorhanden, als beim Beginne desselben. Auch war es nicht die große Ausgabe