1606 VIL. Abichnitt: Einzelne Sohuldverhältniffe.
diefe Borfhriit geftrichen, weil fie nur eine felbjtverftändliche Solgerung aus Dem
Verichuldungsprinzip ausfpreche CB. II, 584). Die Schadenzerfaßpflicht {ft alio mangels
Werichuldens ausgerchloffen, wenn der Täter feine Handlung aus entidhuldbarem
Sryrtume für erlaubt hielt Windicheid-Ripp, Pand. Bd. 2 S. 950; nach Liszt S. 56 ff.
joll der Srrtunm, foweit er fich auf den zu vertretenden Umftand bezieht, den Borfat um
bedingt, die Fahrläffigkfeit dann ausfchließen, wenn er ent{chuldbar ft, während Hyrtum
über die Normmwidrigkeit einflußlo8 bleiben {oll; hiegenen f. Dertmann a. a. ©. S. 47 ff.;
val. auch Henrict in Oruchot, Beitr. 1898 S, 633 ff. und Vertmann Ben. 8). Ob der
Sretum entihuldbar ijt oder nicht, muß nach Lage des einzelnen Falles entichieden werven
Hienach kann auch Kecht3irrtum, wenn er entfchuldbar ift, die Erfaßpflicht ausfchließen
(chenfo Urt. d. Neichager. vom 4. März 1907 und vom 7. Mai 1910, Iur. Wichr. 1907
S. 251, ROE. Bd. 73 S. 387). It aber der Irrium unent{huldbar inSbejondere durch
yahriäffigkeit des Frrenden veranlakt), fo ift er ohne Einfluß auf die Verpflichtung zum
Erfaße des durch die verleßende Handlung verurfachten Schadens (ebenfo Urt, d. Keichsger.
vom. 27. Mai 1908 ROGOES. Bd. 68 S. 437 % binfichtlidh der irrtümlidhen Unnahme des
Ylrzte8, e8 licge die Zujtimmung des gefeblidhen Vertreters des Patienten zur Vornahme
oiner Operativr vor; vgl. auch 8 231 und Liszt S. 59 ff).
3, Ob Verfchulden im Sinne des 8 823 Abf. I vorliegt, ft eine NechtSfrage,
unterliegt alfo der Nachprüfung de8 Nevifionsgericht8 (Urt. d. Derjt. SO. München
vom 22. Dezember 1902 echt 1903 S. 79).
6. Aal Existenz und Umfang des Schadenserfaßanfpruchs kanır gemäß S 254 auch
das Verichulden des VBerlegten von Bedeutung jein (|. Vem. zu S 254, fowie S 846
und Bem. Hiezu).
D. Erfordernis des KaufalzujammenhangsS. Vorausfeßung des Cchabenserfaß-
anipruchs ift endlich, daß der eingetrefene Schaden durch die eine VBerleBung des NechtS=
gut3 oder Mechtes bildende Handlung (oder Unterlaflung) verur]acht worden ift.
a) Ueber den Begriff des Kaufalzufammenhangs 1. oben S. 42 ff.
Borbem. MI vor 8 249 ff. Neber die leitenden Örundjäße für die Felt“
{tellung des urfächlichen Zufammenhangs zwifchen od und Unfall als
MorauSieBung von Anfprüchen aus Unfallverficherungen |. Urt. d. Reichsger.
vom 12. Sebruar 1907 BI. f. NA. Bo. 72 S. 592 ff.; über od durch Narkofe
f. Urt. d. Neichsger. von 25. Oktober 1907 ROS, Bd. 66 S. 4.7 ff. Die
oloße Möglichkeit, daß ohne die fdhäbigende Unterlafflung der Schaden
dennoch hätte eintreten können, hebt den Kaufalzufammenhang nicht auf
(Urt. 5. Reicdhsger. vom 13. Oktober 1905 Yur. Wichr. 1905 S. 690, vom
25. SYanıuar 1906 und vom 17. Oktober 1907, echt 1906 S. 375, 1907
S. 1464). Cbhenfowenig ft erforderlich, daß der Schaden durch den ver“
pflichtenden Umftand allein und unmittelbar herbeigeführt worden ft
(Urt. d. Neichsger. vom 2. Dezember 1907 Hecht 1908 S. 55, Urt. d. OLG.
Karlsruhe vonı 6. Iuni 1906 Itecht 1906 S. 1375). Darüber, daß „hohe Wahr:
jOheinlidkeit“ für den Bufammenhang einer Krankheit mit einem Unfall
ausreicht und „mathematijche ®ewiBheit“ nicht gefordert werden kann, f.
Urt. d. Neichager. vom 13. Januar 1908 Iur. icor. 1908 €. 197, ferner
Dont 26. November 1908 Bayr. 3. f. R. 1909 S. 90. Vol. auch Urt. D.
DL®. Stuttgart vom 10. Dezember 1907 RKipr. d. DLG, Bd. 18 S. 69 MM.
(Haftung des Fabrikanten für VBerleßung durch eine Mafchine).
Hür cine ungewöhnliche Seftaltung des Kaufalverlaufg braucht der fahr-
(äfjige Urheber einer Kecht8gut8= oder Rechtsverlebung nicht aufzukfommen
— Erfordernis des „adäquaten“ Aaufalzujammenhangs (f. oben S.48, KON.
Romm. Vorben:. 5, a, fowie Urt, d. Reidhsger. vom 28. Februar 1908 Sur. Wichr.
1908 S, 299 ff). Ent{cheidend i{t in diefer Hinfihtdernatürlideund regel-
mäßige Verlauf der Dinge (Urt, d. KeichsSger. vom 25, September
1902 in ®ruchot, Beitr. 1903 S, 108 ff, vont 9. Juli 1903 Yur. Wicdhr. 1903
Beil. S. 114 und vom 8. Februar 1907 Recht 1907 S, 378; vgl. auch Urt.
5. DL®G. Hamburg vom 20. Mai 1903 Seuff. Urch. Bd. 60 Nr. 54, Urt. d.
OLG. Kiel vom 24. Januar 1906 Recht 1906 S. 181 ff., fowie [binjichtlich
des Kıunftfehler8 eines Arztes] Urt. d. Reicdhsger. vom 22. AWprik 1907 Recht
1907 S. 698 ff.) Ueber Kaufalzufammenhang zwifchen einem {häbigenden
(Ereiani3 und der durch den hierüber angeftrengten Prozeß Herbeigeführten
Gefundheits[häbigung f. Urt. d. Reichsger. vom 5. März 1906, 14. April
1908 und 19. Suni 1908, Sur. Wichr. 1906 S, 231 ff., 1908 S, 405, 526 ff.
Jowie die Sulreliende Aritik der leßteren Entfheidung von Katfer, Sur. WIchr.
1909 S. 33 ff.; vol. au Krücmann in Iherings Nee Bo. 55 S. 126 ff.
und Urt. d. Neichager. vom 1. Oktober 1910 ur. Wichr. 1910 S. 1003.
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