Full text: Recht der Schuldverhältnisse (Bd. 2)

25, Titel: Unerlaubte Handlungen. S 823. 1607 
Sit der erforderliche Raufalzufammenhang zwifchen der verlebenden Hand- 
lung und dem eingetretenen Schaden gegeben, 10 wird die Erfabpflicht 
dadurch, daß der Handelnde den Umfang des eingetretenen Schadens 
Ef berloden onnte, weder ausaefchloflen noch eingefchränft WM. ML, 
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Ueber die Einwirkung eines Fonkurrierenden Verihuldens des 
Berlebten auf den Koufalzulammenhang 1]. 8 254 und Bem. hiezu. 
Der Beweis, daß der erforderliche Kaufalzufammenhang gegeben ift, 0b- 
eat dem Kläger (vgl. Neumann Vorbem. C, IV, 2, 1. auch Urt, d. YLG. 
Koftock vom 23. Dezember 1903 Yipr. d. DLG. Bd, 9 S. 36 M.). Vers 
nutungen für das Vorliegen des Kaufalzufammenhangs beiteden nicht, 
j. Urt. d. Neichsger. vom 16. Mai 1904 Iur. Wichr. 1904 S, 408, Urt, d. 
L®. Dresden vom 22. Januar 1901 Nipr. d. YDLG. Bd. 2 S. 483 ff, Urt. 
X. DL®. Bweibrücen vom 5. März 1907 BI. f. RAU, Bd. 72 S. 679 f.; vgl. 
auch unten unter 111, D, Ueber Erleichterung des Beweifes durch Berüick 
Achtigung von Erfahrungstatfacdhen f. Urt. d. Reichsger, vom 7. Sanuar 
1909 Sr. Wichr. 1909 S. 136, 1. auch Urt. d. Meichsger. vom 25. Öftober 
1909 Recht 1909 Nr. 3769. Ä 
Il. Borausiegungen der Schadenzerfakpfliht nad $ 823 Mbf. 2. 
. A. Beritoß gegen ein den Schuß eines anderen bezwedendes Gefeßg. Nad 
ES. 1 föllte die Buwiderhandlung gegen jedes abfolute Berbotsgefeß zum € hHadenserfaße 
verpflichten (MR. 11, 726). Hienad jollte jeder verlangen dürfen, daß das Gefeß nicht zu 
einem Schaden verleßt werde, aleichviel, ob es zu feinem Schube oder zum Schuße 
anderer Interejfen beftimmt ift. Bon der 1, Romm. wurde diefe Hegehumg al8 zu weit- 
gehend durch die Beitimmung des nunmehrigen $ 823 YWbf. 2 erfeßt (f. Borbem. II, 2). 
1. Der VBeritoß gegen ein den Schub eine8 anderen hezwedendes Gefjfeß kann nicht 
nur durch pofitives Handeln, fondern (wenn Das Schubaeleb ein Gebot enthält) auch 
yurch Unterlafung begangen werden (SE. 1: „Tun oder Unterlafien”; vgl. oben Bem. 
I, A, 1, Urt. d. DLS. Bamberg vom 18. März 1904 Seuff. Arch. Bd. 59 Nr. 204). 
2, Ueber den Begriff des den Schuß eines anderen beziweddenden Gefeges 
Herr fcht Iebhafter Streit. Die Protokolle der Il. Komm. (auf deren Beichluß die Vor- 
jchritt beruht) bezeichnen als den maßgebenden Gefichtspunkt für die Annahme der Bor- 
cOrift, daß hiedurch der Richter darauf hbingewiejen werde, aus dem Inhalte des 
verlchten GefeBe3S zu ermitteln, welche Sntereffen durch daszjelbe 
geihüßt werden follen; ermachfe hieraus auch eine {dOwierige Aufgabe für Die 
Gefchesauslegung, fo dürfe man darum doch den richtigen @rundfaß nicht aufgeben: 25 
fönne darauf vertraut werden, daß die Schwierigkeiten verfhwinden, wenn fich erft einz 
mal eine Jefte Praxis gebildet haben werde (4. II, 571). ” 
Der Antrag, die Vorfchrift lediglich auf Berftöße gegen Strafgefebe zu befchränfken, 
wurde von der IL Komm. abgeleont, weil, wenn auch die Gauptanwendungsfälle auf 
trafrechtlichem Gebiete lägen, doch au foldhe Gebote und MNerbote in Betracht känızen, 
auf deren Beobachtung bzw. Verlegung keine Strafe angedroht fet (B. IL 572). , 
3 Beilpiel für ein den Schuß eines anderen bezwedendes Gejeß wurde in der 
il. Xomm. 8 299 St®@B, (Verbot der Verlegung des Briefgeheinmifie8) angeführt, weil 
diefe Vorfchrift nur zum Schupe des Empfängers und des Abhtenders heitimmt fei, 
möhrend 3. B. die Strafbeftimmungen der SS 360 Nr. 6 (Verbot der Heritellung von 
bapiergeldähnlihen Druckjachen) und 368 Nr. 2 (Gebot des Raupen) im allgemeinen 
Interelje aufgeftellt feien (33. 11, 568). ve 
a) Bu eng ift Hienach jedenfall8 die Auffaflung, nach der die Anwendung des 
3 823 of. 2 auf polizeilihe Borfhriften befhränkt fein fol; ungenau ift 
ınderfeitS die in der MNeichstagslomm. von Seite eines Vertreters der Res 
zierung geäußerte Bemerkung, e8 fei jelbftverftändlich, daß cin Gefep, 
welches die Gejamiheit fchüßen folle, au Den einzelnen. fdlüße, und daß 
alfo die BerleBung eine8 folden Gejeßes nach & 823 Aof. 2 erfaßpflichtig 
mache (RETK, 101); denn maßgebend ijt nicht, ob das Gefeß den einzelnen 
(hüßt, jondern vb e8 den Schuß des einzelnen ber w edit. 
Aweifellos it ferner nad der EntitehungsSgefchichte des Gejekes, daß 
unter $ 823 Abi. 2 nicht nur eigentliche „Oefebe“ im ftaatsrechtlichen Sinne, 
jondern jede Rechta8norm, 3. B. auch eine Berordnung oder Te 
Borichrift, fallen kann f. ES. Art. 2 und Bem. hiezuw in Bd. VI; vgl. 
Urt. d. DIS. Karlsruhe vom 31. März 1903 Hecht 1903 S, 576) und daß 
ch das Anwendungsgebiet des S 823 Ab]. 2 nicht auf ftrafrechtlidhe Normen 
a "a auch das weite Gebiet vrivdatredhtlidher Schuß- 
zefeBe umfaßt. 
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