25. Titel: Unerlaubte Handlungen. S 839. 1697
Et Schaden hätte abwenden Können, fand keine Annahme (BR. VI, 202 ff.; vol. MU,
662 ff.). .
Dagegen enthielt E. III S 823 Abi. 3 die VBorfhrift, daß die Erjakpflicht über-Haupt
weatalle, wenn der Befchädigte unterlaffen hat, den Schaden durch den Gebrauch
eine8 RechtSmittel3 abzuwenden.
Sn der RNeichstagafomm. wurde der Antrag, die Haftung des Beamten ohne Rück
ficht auf Verfchulden eintreten zu laffen, abgelehnt und der Ausfehluß des Eriaßanipruchs8
auf den Zall {Oulharter Unterlaflung der Einlegung eines RechtSmittels
befchränkt. Die bei der erften Lefung befchlofenen VBorfchritten über die Jubfidiäre
Haftung des StaateS wurden hei der zweiten Lejung geftriden und durch eine Kefolution
ähnlichen Inhalts erfeßt (MIR. 109 f , ,
Sm Reichstagsplenum endlich wurden gelegentlich der zweiten Lehung die Worte
„bei der Leitung oder Ent{hHeidung einer Kechtsfache“ erfeßt durch die Worte „bei der
Enticheidung einer RechtSfache“, mährend bei der dritten Lejung die nunmehrige Zajlung
(„bei dem Nrteil in einer Kechtsjache“) N wurde. Die weiteren Anträge, die
Haftung aller Beamten ohne Nückicht auf Berfchulden, eventuell die Haftung des Yichter2
bei grober Fahrläffigkeit eintreten zu laffen, fowie die Haftung des Staates für feine
Beamten im BOB. arundjäßlich zu En wurden abgelehnt (StB. 431 {f., 846 HF.)
3. Berhältnis des $& 839 zur Erfagpflidht auf Grund der allgemeinen Bor:
JOriften der SS 823, 826. | ,
Huf Grund des S 823 ift (mie jeder andere) ein Beamter, der vorfäßlih oder fahrläffig
Leben, Körper, Gefundheit, Zreiheit, Eigentum oder ein fonftiges Kecht eines anderen
widerrechtlich verleßt (Abf. 1) oder gegen ein den Schuß eineS anderen bezwecfendes Gefet
veritößt (Abi. 2), dem anderen zum Erfage des daraus entftehenden € hHadens verpflichtet.
Sit aber das Gefeß, gegen das der Beamte verftoßen hat, eine Dienitvorfhrift, fo
jo nach 8 839 der Beamte dann haften, wenn durch den VerftoB eine AmtSpflicht verleßt
worden ijt, die nach dem Inhalte der Dienftvorfchrift dem Beamten nicht nur gegenüber
jeinem Dienftherrn (Staat, Gemeinde 20.), Jondern auch gegenüber dem
SGefchädigten obliegt (ff. unten Bem. 5, a). Entjcheidend ift alfo nicht, ob die Dienftvorjchrift,
welcher der Beamte zZuwidergehandelt hat, ein den Schuß eineS anderen
bezwecfendes Gefjeß_ilt, Jondern, ob die durch fie begründete Amtäpfliht dem Beamten
auch im Berhältnifje zu dem SGejhädigten auferlegt ift. Nach S 839 it demzufolge die
Gaftung des Beamten in manchen Zällen gegeben, in denen fie auf. @rund des S 823
6j. 2 nicht eintreten mürde, mährend in anderen Zällen, die den Tatbeftand des S$ 823
Aof. 2 erfhöpfen, gemäß S 839 die Haftuna des Beamten ausgefchloffen ift.
8 839 enthält alfo eine Modifikation, nicht aber eine Erweiterung
des 8 823 Abi. 2, während die Erfagpfliht auf Grund des $ 823 Nbf. 1 gegenüber
einem Beamten in gleicher Weije wie gegenüber jedem anderen Täter eintritt. Nimmt
allerding8 der Beamte eine Umtshandlung vor, die nur deshalb eine unerlaubte Handlung
it, weil fie eine Verlebung der Amtspflicht bildet, fo finden die befonderen Borfchriften
des 8 839 Anwendung, auch wenn der Tatbeftand des S 823 Abi. 1 gegeben ift (f. auch
unten Bem. 7, b Abi. 2. |
Die Erfabpfliht auf Grund des & 826 wird durch den Umitand, daß der
Täter ein Beamter ift, nicht berührt (ebenfo Urt. d. Reichsger. vom 21. September 1908
Sur. Wichr. 1908 S. 654); e8 Haftet alfo hienadh 3. B. ein Gerichtsvollzieher, der „an
einem Sonntagnachmittag in der nachweisbaren Abficht pfändet, den Schuldner vor den
Augen feiner geladenen Tijchgäfte zu diskveditieren, obwohl das Verbot, ohne richterliche
Erlaubniz an Sonn= und Feiertagen Vollftrechungshandlungen vorzunehmen, eine nicht
unter 8 839 fallende Ordnungsvorfchrift darftellt ({. unten Bem. 5, a, «); 10 zutreffend
DVertmann a. a. OD. S. 772 ff.
Val. zu diefer Frage WM. II, 822 ff, D. 105, ferner Pland Bem. 1, RGR.-Komm.
Bem. 1, Windfcheid-Cipp, Rand. Bd. 2 S. 952, Goldmann-Lilienthal S. 907, VYertmann
Bem. 2, c und a. a. OD. S. 772 ff, Nöldeke a. a. DV. S. 809 ff, Hachenbhurg S. 429 ff.,
Qi8zt S. 44, Müller in Bl. f_ RA. Bd. 65 S. 382 ff, Delius, Haftpflicht S. 27 ff.
Achilles Note 1, Schelhorn a. a. DO. S. 535 ff., Urt. d. OLG. Kolmar vom 16. Januar 1908
ipr. d. OLG. Bd. 16 S. 300 ff.
4. Die Sondervorichriften des S 839 gelten nur für Beamte vgl. über diefen
Vegriff Sohelborn a. a. DO. S, 445 ff.
a) Reihsbeamter ift nad S1 des Gefebes, betreffend die RechtSberhältnifte
der Neichsbeamten, vom 31. März 1873 in der Fafl. der Vekanntm. vom
18. Mai 1907 „jeder Weamte, welcher entweder ‚vom KRaifer angeltellt vder
nach VBorfchrift der NReichsverfalung den Anordnungen des KaiferS Folge zu
(eiften verpflichtet it“. Nach 8 156 diefes GefegeS haben die Reich Stan8sbeamten
die Rechte und Pflichten der Reichsbeamten. Ueber die Unwendbarkeit
de3 8 839 auf ReichSbeamte |. unten Bem. 13.
Staudinger, BGB, Mb (Schuldbverbältniffe. Engelmanı: Unerlaubte Handlungen), 5/6. Yufl.
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