8 43. Die freien Währungen. 5}
hat ihre Preisskala durch eine autoritativ geregelte Knappheit der in
ihr gültigen Zahlungsmittel fixiert. Wenn man sie als eine freie Wäh-
rung bezeichnet, soll das also nicht heißen, daß der Wert der Währungs-
einheit etwa weniger bestimmt gewesen wäre, als es bei einer an ein
Metall gebundenen Währung der Fall ist.
Schon im Jahre 1875 wurde aber eine frei ausprägbare Goldmünze,
das Zehnguldenstück, mit voller gesetzlicher Zahlungskraft zu seinem
Nennwerte eingeführt. Da indes die Regierung sich nicht verpflichtete,
Silbergulden in Goldgulden einzulösen, war die Möglichkeit vorhanden,
daß die niederländische Währungseinheit im Werte hinter dem Gold-
gulden stehengeblieben wäre. In Wirklichkeit trat dies nicht ein.
Die silbernen Zahlungsmittel hatten die nötige Knappheit, um die
Währungseinheit in Parität mit dem Goldgulden zu erhalten, wodurch
die niederländische Währung in einen Zustand eintrat, der der Gold-
währung sehr nahe kommt.
Auch Indien hat nach Einstellung der freien Silberprägung im
Jahre 1893 eine Zeitlang eine freie Währung. Der Wert der Rupie
erhöhte sich über ihren Silberwert und wurde ausschließlich von der
Knappheit der indischen Zahlungsmittel bestimmt. Gleichzeitig wurden
allerdings die indischen Münzstätten angewiesen, auf Verlangen den
englischen Sovereign mit fünfzehn Rupien einzulösen, also die Rupie
zum Preise von 16 d. zu verkaufen. Damit war dem indischen Münz-
wert eine obere Grenze gesetzt. Diese Bestimmung hatte aber zunächst
keine praktische Bedeutung, da der Rupiekurs in den nächsten Jahren
weit hinter dem genannten Betrag von 16 d. zurückblieb. Die Rupie-
währung war also eine freie Währung mit Begrenzung der Bewegungen
des Münzwerts nach zwei Seiten hin: nach unten bildete der Silber-
wert der Rupie die Grenze des Rupienwerts, nach oben der Goldwert
von 16 d.
Es gibt aber auch Währungen ohne irgendwelchen Zusammenhang
mit einem Metall. Solche Währungen sind die Papierwährungen.
Eine Papierwährung entsteht meistens dadurch, daß Banknoten, die
nicht länger in Metallgeld eingelöst werden, als gesetzliches Zahlungs-
mittel erklärt werden, und also „Zwangskurs‘ erhalten. Wenn das
Papiergeld in hinreichender Menge ausgegeben wird, wird es notwendig,
da es keinen Stoffwert besitzt, jedes Metallgeld verdrängen. Die Preis-
bewegung wird dann nur vom Papiergelde bestimmt, der Wert der
Rechnungseinheit hängt ausschließlich von der Knappheit der papiernen
Zahlungsmittel ab.
Die Papierwährung ohne jede Verbindung mit metallischen Zah-
lungsmitteln dürfte als die theoretisch einfachste Währung angesehen
werden können. Die verschiedenen Währungen unterscheiden sich
durch die Art, in welcher die Knappheit der Zahlungsmittel bestimmt
wird, Bei der reinen Papierwährung nun ist die Knappheit der Zah-
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