fullscreen : Sozialismus und Regierung

nicht  fest  gezogen  werden  können.  Da  die  nationale  Einheit  stetig  an
Einfluß  zunimmt,  dank  der  Verwischung  der  örtlichen  Verschiedenheiten, ­
  der  räumlichen  Beweglichkeit  des  Arbeitsangebots,  der  Uniformität ­
  des  Staatsbürgerlebens  und  der  größeren  Flächenausdehnung,
über  die  hinweg  uns  die  kommunalen  Leistungen,  Beschäftigungsmöglichkeiten ­
  etc.  angeboten  werden  —  welchen  sozialen  Veränderungen
wir  unterliegen,  ob  wir  sie  willkommen  heißen  oder  nicht  —,  so  wird  die
Zentralregierung  im  Laufe  der  Zeit  vermutlich  viel  von  dem  übernehmen,
was  man  heute  zu  den  Aufgaben  der  Gemeinden  rechnet.  Zum  Beispiel
sind  heute  die  Vorkehrungen  für  die  Erziehung  vollkommen  unhaltbar
sowohl  vom  Standpunkt  des  gesunden  Menschenverstandes  als  auch  an
den  Grundsätzen  der  Regierungspflichten  gemessen.  Ursprünglich  eine
reine  Privatsache,  erhielt  der  Unterricht  im  Jahre  1832  Zuschuß  aus
öffentlichen  Geldern.  Das  Geld  wurde  durch  die  damals  existierenden,
auf  freiwillige  Spenden  angewiesenen  Schulgesellschaften  zu  Schulbauten ­
  verwandt.  Im  Jahre  1839  wurde  die  Verwaltung  der  Staatssubvention ­
  einem  engeren  Ausschuß  des  geheimen  Kronrats  (Privy
Council)  überwiesen,  aber  wiederum  wurde  das  Geld  nicht  Erziehungszwecken ­
  gewidmet,  sondern  wegen  religiöser  Schwierigkeiten  nur  für
die  Errichtung  von  Schulen  bestimmt.  Dann  wurden  Summen  bewilligt, ­
  um  die  Lehrer  auszubilden,  ihre  Gehälter  zu  erhöhen  und  die  Unterrichtskosten ­
  zu  vermindern  (in  Form  von  Zahlungen  per  Kopf  des  die
Schule  besuchenden  Kindes).  Schließlich  wurde  ein  System  der  öffentlichen ­
  Kontrolle  geschaffen.  Das  Staatsministerium  wurde  in  seinen
Ansprüchen  an  die  Gemeinden  immer  rigoroser,  bis  gegenwärtig  das
System  und  die  Norm  des  Unterrichts  national  geworden  sind,  während ­
  nur  ungefähr  die  Hälfte  der  Kosten  vom  Schatzamt  getragen  und
die  andere  Hälfte  aus  den  Gemeindesteuern  bestritten  wird 1 .  Zur
Zeit,  wo  ich  dieses  schreibe,  ist  eine  Art  vollständiger  Stockung  eingetreten. ­
  Das  Parlament  hat  den  Lokalbehörden  neue  Pflichten  auferlegt, ­
  wie  ärztliche  Untersuchung  und  Verabreichung  von  Speisen,
ohne  hierfür  die  genügenden  finanziellen  Mittel  zu  gewähren.  Tatsächlich ­
  ist  die  Frage,  die  das  Unterrichtsministerium  und  die  örtlichen ­
  Schulbehörden  zwischen  sich  zu  regeln  haben,  nicht  länger  rein
finanzieller  Natur,  sondern  eine  Frage  guter  Verwaltung.  Wie  weit
1  Ein  vom  Stadtrat  in  Leeds  im  Jahre  1909  herausgegebenes  Memorandum
zeigt,  daß  das  Schatzamt  50.31  Proz.  der  Kosten  des  Elementarunterrichts  und
43.15  Proz.  der  Kosten  des  höheren  Unterrichts  deckt.
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