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noch nicht gelungen ist, dieser Schwierigkeiten Herr zu werden,
braucht die Praxis darum doch nicht auf die Verwendung des
repräsentativen Verfahrens zu verzichten. Solange es noch nicht
möglich ist, den Zuverlässigkeitsgrad der Verallgemeinerung
quantitativ zu bestimmen, muß eben der „statistische Instinkt“
wie auf so vielen anderen Gebieten der praktischen Statistik auch,
an die Stelle der exakten Messung treten. Es bleibt daher
dem mit dieser Methode arbeitenden »Statistiker einstweilen nichts
anderes übrig, als sich auf sein Sicherheitsgefühl in
bezug auf die repräsentative Tragfähigkeit der Teilergebnisse
zu verlassen. Denn wenn dies Gefühl auch unsicher sein und
von Person zu Person wie von Fall zu Fall schwanken mag,
ist doch nicht zu vergessen, daß dem gewissenhaften Statistiker
die Zahlenergebnisse seiner Teilerhebung sich in einen mehr
oder weniger reichhaltigen Bestand auf anderem Weg erworbener
Kenntnisse der untersuchten Sozialerscheinung einfügen. Wie
sollte er ohne solche Kenntnisse seine Untersuchung überhaupt
auch nur in Angriff nehmen!
Jedenfalls kann die praktische Statistik nicht so lange
warten, bis die Eule der Minerva ihren Flug beendet hat; sie
muß auf die Gefahr hin, da und dort in die Irre zu gehen, ihre
Aufklärungsarbeit leisten und kann gerade in der heutigen Zeit
der repräsentativen Methode unter keinen Umständen entbehren.
Wie anders wollte man wohl das massenhafte sozialstatistisch
bedeutsame Material, das der Krieg allenthalben erzeugt, in
der kommenden Friedenszeit nutzbar machen, die doch wiederum
neue statistische Aufgaben in Hülle und Fülle bringen wird! Die
starke Dosis Subjektivismus, die vorderhand noch in der Reprä
sentativerhebung steckt, müssen wir notgedrungen in Kauf
nehmen; soweit aber Vorsichtsmaßnahmen bekannt und ver
wendbar sind, die deren Gefährlichkeit zu mildern geeignet
erscheinen, werden wir uns derselben soviel als möglich zu be
dienen haben.
Die erste dieser Maßnahmen betrifft die Auswahl der als
repräsentativ anzusehenden Teilmasse und will die Gefahr des
Subjektivismus bei deren Abgrenzung ausschließen. Als das beste
Verfahren — so meint Kaufmann*) — sei jedenfalls jenes zu
betrachten, „wo die Auslese ganz und gar dem Zufall in dem
Sinne überlassen wird, wie er in der Wahrscheinlichkeitslehre
begriffen wird, wo sie also nach einem mechanischen Prin
zip geschieht, das mit den Aufgaben und Zwecken der Erhebung
in gar keinem Zusammenhang steht.“ Nicht bedachte Aus
wahl auf Grund vermuteter Einsicht in die reprä
sentative Vereigenschaftung des Einzelfalls, son
dern b lindes Zugreifen nach einer den untersuchten
Zusammenhängen wesensfremden Spielregel soll
*) a. a. 0. S. 372.