fullscreen: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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VIH. 
Die städtischen Transportmittel und ihre 
Entwicklungsmöglichkeiten. 
(1909.) 
Aus der Geschichte der Eisenbahnen können wir wohl manches 
über die zukünftige Entwicklung der Transportmittel in den 
großen Städten lernen. Einige Zeit wurde die Frage erörtert, ob die 
Eisenbahnlinien von ihren Eigentümern oder von der Gesamtheit derer aus 
gebeutet werden sollen, welche miteinander konkurrierend die Fahrgelegen 
heiten in Umlauf setzen.*) Erinnern wir uns, wie lange die Ansichten über 
die Bedeutung des Verkehrs von Reisenden und Waren auseinandergingen. 
Manche Gründe sprechen dafür, daß der Straßenverkehr eine ähnliche Ent 
wicklung wie der Eisenbahnverkehr nehmen wird. 
Wir können heute in den meisten großen Städten, insbesondere am Ein 
gang der Geschäftszentren, Verkehrsstauungen beobachten. Die erste Abhilfe 
bestand darin, daß ein Teil der Schienenwege oberhalb, ein anderer unterhalb 
der Fahrstraße angelegt wurde, was den Erfolg hatte, daß Geschwindigkeit 
und Sicherheit vermehrt wurden. An vielen Orten bemühte man sich, die 
Überquerung der Tramwaylinien durch Fußgänger dadurch einzuschränken, daß 
man Brücken und unterirdische Passagen anlegte. Trotz dieser verschiedenen 
Vorkehrungen finden die erwähnten Stauungen statt, die man immer wieder, 
wie man in Berlin, Paris und London beobachten kann, auf eine lächerlich 
primitive Art durch Polizisten abzustellen sucht. Diese Stauungen rühren zum 
Teil daher, daß alle Fahrzeuge den kürzesten Weg suchen. Ins 
besondere in Stadtteilen, deren Haupt- und Nebenstraßen ungefähr von gleicher 
Breite sind (was z. B. in Berlin von den der Leipziger- und Friedrichstraße 
parallelen Straßen gilt), weisen eng benachbarte Parallelstraßen eine voll 
kommen verschiedene Intensität des Verkehrs auf. Nur selten wird die Ver 
fügung getroffen, daß etwa von zwei Parallelstraßen die eine ausschließlich 
dem Lastenverkehr, die andere ausschließlich dem der Leichtfuhrwerke dienen 
soll. Oft sind übrigens solche Bestimmungen durch ästhetische Rücksichten 
bestimmt. Die durch derartige Vorschriften bedingten Umwege würden oft 
ganz unbedeutend sein, während die so erreichte Entlastung des Verkehrs 
beträchtlich wäre. Man könnte diesen Schwierigkeiten durch Polizeiverord 
nungen über den Wagenverkehr abhelfen, und indem man den Verkehr auf 
einen möglichst großen Flächenraum ausdehnt, indem man etwa gewisse Straßen 
für gewisse Fuhrwerkstypen bestimmt. 
Wenn man die Stauungspunkte ins Auge faßt, welche meist, aber nicht 
immer, mit Straßenkreuzungen zusammenfallen, so kann man konstatieren, daß 
die Stauungen im Laufe des Tages sich ändern. Diese Schwankungen hängen 
zum Teil mit der mehr oder minder großen Intensität des wirtschaftlidhen 
und gesellschaftlichen Lebens zu verschiedenen Tageszeiten zusammen. Groß 
ist die Zahl der Wagen, die ebensogut zu anderen als den von ihnen gewählten 
Zeiten fahren könnten. Man vermag dem in gewissem Grade abzuhelfen, 
wenn man zu bestimmten Stunden den Verkehr gewisser Wagentypen be 
schränkt. Vor allem könnte so der Wagenverkehr geregelt werden. Der 
Verkehr wäre so nicht nur räumlich, sondern auch zeitlich 
*) Vergl. L. Camphausen, Versuch eines Beitrags zur Eisenbahngesetz 
gebung, Köm 1838.
	        
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