OESTERREICH. — Finanzen 'Staatsschuld).
153
es mit dem Papiergelde, durch welches die Metallwährung fast ganz
verdrängt ward. Das Papiergeld ist nemlich ein altes Uebel in Oesterreich.
Anfangs hiess man es Bancozettel und es stand alpart. Im J.
17S1 beschränkte sich dasselbe allerdings noch auf 7®, Mill, fl., 1788
waren es über 20, 1794 32, 1796 47, 1797 74 Mill. Von 1799 gingen
die Bancozettel im Curse immer tiefer herab. Es gab deren
1798 1799 1800 1801 1802 1806 1808 1809
Mill. 92 141 201 202 337 450 519 730
Es bestanden die bestimmtesten Versicherungen, dass keine Herabsetzung
des Werthes erfolge Publicandum von 1S06). Ein kajserl. Mandat
von Anfang Febr. 1811 lautete wörtlich : »Ich gebe Mein kaiserl.
Wort, dass nie die Bancozettel in ihrem Nennwerthe heruntergesetzt
werden sollen.« Allein factisch sank der Werth des Papiers auf seines
Nominalbetrags (1 fl. in Silber stand 17 fl. in Papier gleich) ; und
unterm 26. März 1811 (6 Wochen nach jener officiellen Erklärung) sah
sich die Regierung dahin gebracht, den Werth des bis zu 1060 Mill, angewachsenen
Papiergeldes auf ein Fünftel herabzusetzen, d. h. man
löste das alte gegen neues Papiergeld ein, das man Einlösungs- und
Anticipationsscheine nannte, wobei indess der Gulden von früher nur zu
12 Krzr. angenommen wurde. Da man aber die Papiergeldmenge stets
aufs Neue vermehrte, obwol das Gegentheil ausdrücklich zugesichert
worden, so dass die durch obige Massregel erst im .1. 1811 auf 212 Mill,
reducirte Summe 18 Ui schon wieder auf 639 Mill, angewachsen war, so
sank auch das neue Papiergeld rasch auf ein Viertel seines Nominalwerthes,
wonach also der Gesammtverlust sich auf ‘%o stellte, und man
für ursprüngliche 100 Gulden nur 5 Gulden wirklichen Werth besass. —
Die Kriege von 1813 —15 erheischten ansehnliche Anstrengungen. *) —
Um dann der vorzugsweise lästigen schwebenden Schuld sich zu entledigen,
erfolgten 1816 neue Anordnungen, die einem zweiten Bankerute
ziemlich gleich kamen : man stellte den Inhabern des Papiergelds
frei, entweder dasselbe für zwei Siebentel des Nennwerths in Banknoten
zu verwechseln und für die übrigen fünf Siebentel e i n procentige Staatspapiere
anzunehmen ; oder aber für das Papiergeld Actien der eben gegründeten
»Nationalbank« einzutauschen. Nun verminderte man wenigstens
das Papiergeld, 1817 auf 529, 1818 auf 498, 1821 auf 330, 1825
auf 150 Mill ; 1827 war die Summe auf etwas weniger als 100, 1830
auf die Hälfte, 1839 auf 20 Mill, herabgebracht, — freilich durch mannichfache
Manipulationen. Daneben hatte sich aber der Stand der Hauptstaatsschuld
wesentlich erhöht, obwol man von 1818 an den Nominalbetrag
theilweise dadurch herabdrückte, dass man die ältere auf 2*/* Proc.
Zinsen reducirte Schuld in herabgesetztem Curse gegen neue 5proc., in
Silber zahlbare Obligationen (Métalliques umtauschte. Von 825 Mill,
beim Friedensschlüsse 1815) stieg die Schuldzifler 1820 auf 987, 1830
^uf 1 Obi und 1847 auf 1249 Mill.**) Nachdem sich schon 1846 und
* Obwol man aber nicht einmal für die verstümmelten Invaliden genügend
sorgen konnte, kosteten die Festlichkeiten des Wiener Congresses den Staat
gegen 3U Mill. Siehe (iervinm, Gesch. des 19. Jahrh.
**: Den meisten Angaben über die Grösse der Haupt- sowie der Papiergeldschuld
liegen r. Cziirnig’s Mittheilungen »Statist. Jlandhilchlein für die