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den Kandidaten für das am Ende des Jahres stattfindende Matrikulationsexamen
von der Kap-Universität Schriften von Klassikern
zur Vorbereitung vorgeschrieben. Auch dies hat sich zu wiederholten
Malen dadurch, dass zu diesem Zwecke von den Examinatoren
zu schwierige und der Vorbildung der Schüler nicht entsprechende
Schriften gewählt wurden, als ein Missstand erwiesen.
Der Stundenplan der „High School“ gibt für jede der fünf
Klassen im Durchschnitt nur Raum für 3 Stunden Latein-Unterricht
pro Woche. Griechisch wird nur in den drei obersten Klassen
getrieben und beschränkt sich in der Regel auch nur auf drei
Stunden wöchentlich,
Die Kap-Universität schrieb nun für das Jahr 1909 für Latein
Ciceros „Pro Archia“ und 300 Verse aus Ovids Metamorphosen
zur Vorbereitung vor. Ein jeder Schulmann, der aus der Praxis
die Leistungsfähigkeit der Schüler kennt, wird zugeben müssen,
dass es eine Unmöglichkeit ist, dass ein Schüler bei der oben erwähnten
Vorbildungszeit aus sich selbst heraus „Pro Archia“
verstehen, geschweige denn mit Nutzen übersetzen kann. ;
Der Lehrer hatte hier fast Satz für Satz bei der Uebersetzung
zu helfen und am Schluss der Unterrichtsstunde womöglich noch
die Uebersetzung des jeweilig durchgenommenen Abschnittes zu
diktieren. Welch eine Zeitvergeudung! Die sorgfältige Durchnahme
der einen Rede Ciceros beschäftigte die Klasse fast ein
halbes Jahr, und dann wurde dieselbe auf Grund der durch die
geringe Zahl der Lateinstunden bedingten geringen Vorbildung der
Schüler von manchen derselben noch nicht völlig verstanden.
Im Griechischen wurde für das Jahr 1910 Lucians „Menippos“!
vorgeschrieben. Es ist wohl‘ nicht nötig, über diesen Missgriff
weiter zu sprechen, wenn man die früher erwähnte geringe Varbereitungszeit
in Erwägung zieht.
Woher diese Missgriffe kommen? Jedenfalls daher, dass die
FExaminatoren, welche meist Professoren der „University Colleges“
sind, mit den „High Schools“ nicht in genügender Fühlung stehen.
Es ist daher auch für die toten Sprachen ein mündliches Examen
durchaus wünschenswert, damit sich die Examinatoren durch dieses
von dem Durchschnitts-Bildungsgrad der Kandidaten überzeugen
können und dementsprechend ihre Anforderungen stellen.