thumbs : Bevölkerungslehre

4. Kap, Bevölkerung und Wirtschaft, vornehmlich in der deutschen Geschichte 89

Todes um die Mitte des 14. Jahrhunderts nahe. Denn man wird nicht
sehr daneben greifen, wenn man annimmt, daß in beiden Perioden
ich die Bevölkerungsverluste Deutschlands nicht sehr voneinander
in ihrer Höhe unterschieden haben. Und trotzdem besteht ein großer
Unterschied. Die Bevölkerungsverluste durch den schwarzen Tod
fielen in eine Zeit aufsteigenden Wirtschaftslebens in Deutschland,
während nach dem 30jährigen Kriege, schon durch die Entwicklung
der vorangegangenen Jahrzehnte vorbereitet, die Wirtschaft sich
keineswegs so schnell erholen konnte.
In verschiedener Hinsicht können wir den durch den Krieg bewirkten
 Rückgang der deutschen Volkswirtschaft beobachten. Um
einen rein äußeren Maßstab dafür zu gewinnen, sind in der folgenden
 Tabelle die sogenannte „Renthey-Einnahmen“, der Staatskasse
in Preußen, zusammengestellt !)., Sie betrugen in Thalern in den
Jahren.

L612
L613
:614
L615
1616
1617

163 510 1645
226 597 6
207 695 16:7
391 739 1648
273 558 1649
129 501 1650

36 878
36 355
38 930
37 890
71471
63 009

Auf dem Lande bewirkten die Bevölkerungsverluste, daß in
manchen Landesteilen die Menschen nicht ausreichten, um den
Boden in dem früheren Umfange wieder zu bestellen. Daß der
Viehstand durch den Krieg einen ganz gewaltigen Rückgang erfahren
 hatte, bedarf keines besonderen Nachweises. Man hat auch
den starken Preissturz in Getreide nach dem Kriege zum Teil damit
erklären wollen, daß bei dem großen Verlust an Menschen keine
genügende Nachfrage nach Brotfrucht vorhanden gewesen sei 2)
Es war das auch eine Zeit, in der die Rittergutsbesitzer ihr Land
auf Kosten des unbebaut daliegenden oder stark verschuldeten
bäuerlichen Besitzes stark vergrößern konnten. Aber dieser Mangel
an Mensch und Vieh konnte schließlich innerhalb einer nicht allzu
langen Zeit wieder ausgeglichen werden.
Von viel stärkerer und länger andauernder Wirkung waren
jedoch wohl die Kapitalverluste und die Störungen in den
Kreditverhältnissen, die durch den Krieg eingetreten waren.
Hierdurch mußte das Wirtschaftsleben auch nach Beendigung des
Krieges noch lange Jahre hindurch höchst ungünstig beeinflußt

') Nach Behre, a. a. O,, S. 77.
?) Kaphan, a. a. 0.
            
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