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in einer Aufzählung der hausindustriell wichtigsten Gewerbe von 1889
sind unter je 100 Betrieben hausindustriell organisiert in der Leder-,
Wachstuch- und Gummiindustrie nur 2,3; unter 100 Personen sind
hausindustriell beschäftigt in diesen Jndustrieen nur 1,2 a ); diese Zahlen
zeigen schon, wie außerordentlich wenig sich die Lederindustrie überhaupt
für hausindustrielle Organisationen eignet. Die wenigen Gewerbe der
Lederindustrie, welche hausindustriell betrieben werden, sind Schuhmacherei,
Handschuhmacherei, Kürschnerei, Sattlerei. Nach der Berufs- und
Gewerbezählung im Deutschen Reiche vom 14. Juni 1895 wurden
statistisch beobachtet an Hausindustriellen in der Gerberei (also alle
Arten von Gerberei) von 43969 gewerbstätigen Personen nur 126 oder
0,3 °/g 2). Endlich seien noch angeführt die Berichte der Fabrikinspektoren
über Heimarbeit in Bayern aus dem Jahre 1906 3 ), welche über Gerberei
im allgemeinen, wie über Weißgerberei im besonderen nicht einen einzigen
Fall von Heimarbeit erwähnen.
Anders liegen natürlich die Verhältnisse der Heimarbeit, wenn sie
in der aufsteigenden Linie der gewerblichen Betriebssysteme auftritt;
wir haben ja gesehen, daß Gerberei im Hausfleiße gar nicht selten zu
beobachten ist, und dieser führt in seinen verschiedenen Entwicklungsmöglichkeiten
unter geeigneten Verhältnissen auch zur Hausindustrie.
Solche Hansindustrie zur Fabrikation von Sämischleder kommt vor im
Petschoragebiet, und dort hauptsächlich in drei am Flusse Jschna gelegenen
Gemeinden. Die Hausindustrie tritt hier auf als Nebenbetrieb der
Renntierzucht, und die Gerbereien arbeiten mit einem, zwei, höchstens
drei Arbeitern, vorzugsweise ihren eigenen Familienangehörigen; die
fertigen Produkte werden von Aufkäufern im Winter nach St. Petersburg
und Moskau gebracht, um dort verhandelt zu werden 4 ).
Wir sehen also, daß die Gerberei im allgemeinen, wie auch die
Weißgerberei im besonderen keineswegs so arm an gewerblichen Betriebssystemen
ist, wie sie gewöhnlich dargestellt zu werden pflegt; alle bisher
besprochenen Formen in der reichen Mannigfaltigkeit ihrer Ausbildung
und Mischung lassen sich beobachten, und sie beweisen, daß selbst ein
räumlich scheinbar so fest fixierter Verrieb, wie die Gerberei ihn nach
heutiger Anschauung fordert, sich keineswegs in Fabrik und Handwerk
erschöpft.
y Stieda 1889, S. 60.
-) Rauchberg 1899, S. 92—93, 100, 134.
') Fabrikinspektoren 1906, S. 6, 9, 32, 46, 48, 51.
*) Berliner Berichte 1903, S. 661.