Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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des  Lohnwerks  zurück,  und  zwar  zu  dieser  in  einer  zweifachen  Weise.
Entweder  nämlich  beschränkten  sie  sich  auf  die  typische  Lohngerberei  für
den  Privatkunden,  welche  hauptsächlich  Sämischgerberei  neben  wenig
Weißgerberei  an  Schaffellen  oder  Schaf-  und  Katzenpelzen  umfaßt;
die  kleinen  Weißgerber,  welche  ich  besuchte,  üben  sämtlich  fast  nur  noch
Lohngerberei  aus,  und  es  ist  nicht  uninteressant,  in  ihren  Auftragbüchern ­
  zu  blättern,  um  hier  zu  sehen,  wie  einerseits  die  Zahl  der
Aufträge  von  Jahr  zu  Jahr  abnimmt,  andererseits  aber  zu  sehen,  wie
von  Jahr  zu  Jahr  die  immer  weniger  werdenden  Aufträge  aus  immer
weiteren  Fernen  zu  ihnen  gelangen.  Es  ist  das  ein  Zeichen  dafür,
daß  zuerst  in  ihrer  näheren,  und  dann  in  immer  fernerer  Umgebung  die
Weißgerbereien  eingegangen  sind,  bis  die  betreffende  Lohngerberei  schließlich ­
  noch  den  einzigen  Gewerbetreibenden  dieser  Art  in  einem  großen
weiten  Territorium  darstellt.  Hat  dieses  Territorium  schließlich  eine
gewisse  obere,  und  die  Lohnarbeit  eine  gewisse  unter  Grenze  erreicht,
dann  geht  die  Lohnarbeit,  soweit  Sämischgerberei  vorliegt,  durch  zwei
Hände;  denn  nunmehr  rentiert  die  alte,  der  Erhaltung  sehr  bedürftige
Sämischgerberwalke  nicht  mehr;  daher  geht  diese  ein,  und  der  Lohngerber
wässert,  äschert,  entfleischt  und  enthaart  die  Häute  zwar  noch  selbst,  aber
zum  Walken  schickt  er  die  Blößen  in  die  Fabrik  oder  an  irgendeinen
anderen  Sämischgerber,  welchem  der  Zufall  in  halbwegs  handlicher
Nähe  noch  eine  Walke  aufgehoben  hat.
Letztere  Form  des  Betriebes  kann  man  wohl  als  eineZwerggerberei,
als  einen  Zwergbetrieb  bezeichnen,  nämlich  unter  dem  Gesichtspunkte,
daß  die  Aufträge  bereits  so  gering  geworden  sind,  daß  sie  nicht  einmal
mehr  die  Erhaltung  der  zum  vollen  Betriebe  nötigen  Betriebsmittel
ermöglichen;  freilich  ist  gerade  die  Walke  in  ihrer  durch  Wasserkraft
betriebenen  Form  ein  für  kleinere  Geschäftsbetriebe  ziemlich  kostspieliges
Betriebsmittel;  allein,  wir  haben  gesehen,  daß  auch  da  eine  Rückkehr
zu  einer  einfacheren  Form  mit  Handbetrieb  gefunden  werden  kann;  daß
die  einfachere  Form  dieses  Betriebsmittels  so  äußerst  selten  vorhanden
ist,  ist  auffallend,  und  beweist  die  geringe  Initiative  des  allerdings  oft
tief  genug  gesunkenen  Handwerks,  wenn  es  gilt,  die  eigene  Selbständigkeit
zu  verteidigen.
Diese  letztere  Form  erinnert  aber  auch  noch  an  ein  anderes  Betriebssystem, ­
  nämlich  an  die  Hausindustrie  insofern,  als  sich  hier  zwischen
dem  an  der  Walke  arbeitenden  Gerber  und  den  Privatkunden  als
Mittelsperson  der  bis  zu  einem  gewissen  Grade  eines  kleinen  Marktes
kundige  Zwerggerber  einschiebt;  dies  sei  nur  angeführt,  um  zu  zeigen,
zu  welch  interessanten  ökonomischen  Verhältnissen  ein  Betriebsmittel,
wie  es  die  Walke  ist,  Anlaß  geben  kann.  Es  ist  eine  Form  der  Arbeitsteilung ­
  im  kleinen,  aber  veranlaßt  durch  ganz  andere  Motive,  als  man
            
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