thumbs: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

Entwicklung der individualistischen Gesellschaft. 129 
brandenburgische Kardinalerzbischof Albrecht von Mainz (1480 
bis 1545), ein eleganter Mann voll geistiger und künstlerischer 
Interessen, besonders eingenommen für die koloristische Ent— 
wicklung der Malerei seiner Zeit, der Förderer Eitelwolfs von 
Stein und Ulrichs von Hutten. Und diesen Führern folgte 
bald eine Anzahl geistig nicht minder bedeutender Fürsten; 
auch sie mündeten mit ihren Neigungen ein in die Interessen 
der neuen Gesellschaft, auch sie wollten persönlich teilnehmen 
in der Förderung geistigen Lebens: gelegentlich einer Fürsten— 
versammlung in Wien im Jahre 1515 konnten zweiundzwanzig 
Fürsten in ebensoviel lateinischen Reden von siebzehn Mit— 
gliedern der Universität begrüßt werden. 
II. 
Waren so die Angehörigen der neuen Kultur schließlich 
sozial ziemlich bunt zusammengesetzt, so blieb doch ihre geistige 
Haltung — und das ist eine der wichtigsten Erscheinungen 
dieser Entwicklung — im ganzen einheitlich; sie behielt, wenn 
auch unter gewissen Abschleifungen, doch den ursprünglich 
hürgerlichen Charakter. 
Im allgemeinen aber lief sie darauf hinaus, die Persön— 
lichkeit freier hinzustellen gegenüber der umgebenden Außenwelt 
der Natur, und freier gegenüber den Einwirkungen der mensch— 
lichen Umgebung. Es war das nur möglich, wenn der Einzel— 
persönlichkeit die geistige Beherrschung der Natur wie der 
Menschenwelt in ganz anderem Grade gelang, als bisher. Auf 
diesem Gebiete sind somit die tieferen Fortschritte der geistigen 
Kultur des 15. und 16. Jahrhunderts zu suchen. 
Das Mittelalter hatte die Natur-nur in ihren Einzel— 
heiten verstanden; ihre Wiedergabe hatte sich niemals auf 
das Ganze erstreckt; die Poesie der Ritterzeit enthielt keine 
Schilderung einer Gesamtlandschaft, und die Kunst ergriff nur 
das einzelne Tier oder die einzelne Pflanze in anfangs ornamen— 
taler, später konventioneller Auffassung. Dem entsprach es, 
wenn einige Fürsten oder Städte einzelne wilde Tiere, Bären 
Lamprecht, Deutsche Geschichte V.
	        
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