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Anhang. Zur Philosophie der Statistik.
Btik bereits nachgewiesen hat, dass bei den Einrichtungen des stehenden
Heerwesens schon im Frieden fort und fort weit mehr junge Männer
dem Tode verfallen, als wenn man dieselben in ihren gewöhnlichen bür
gerlichen Beschäftigungen belassen, oder vielmehr (nach dem Vorbilde
der Schweizer) nur so lange, als wirklich unbedingt nöthig ist, in den
Waffen geübt hätte, um sie sodann blos im Falle des wirklichen Bedarfes
zur Vertheidigung des Vaterlands unter die Fahnen zu berufen. Es liegt
eine dringende Mahnung zur Aenderung des Heerwesens in der That-
sache, dass schon mit dem Betreten der Kaserne diese jungen Männer
in nicht seltenen Fällen dem Tode eine noch einmal so grosse Anzahl
von Opfern liefern müssen, als nach dem natürlichen Laufe der Hinge ;
und es ist bezeichnend genug, wenn in demjenigen Lande, aus welchem
wir genauere Erhebungen darüber besitzen (Frankreich), sorgfältige
Berechnungen zwar eine Zunahme der durchschnittlichen Lebensdauer
im Allgemeinen ergeben, gleichzeitig aber festgestellt haben, dass eine
einzige Altersclasse eine Ausnahme bildet, in welcher die Sterblichkeit
nicht ab-, sondern geradezu zugenommen hat, — nemlich in der Classe
zwischen dem 20. und 25. Altersjahre, aber auch hier nur beim männ
lichen, keineswegs beim weiblichen Geschlechte (Bertillon). Seit der
Restaurationszeit hat bekanntlich eine Vermehrung der stehenden Trup
pen stattgefunden und Algerien hat beständig seine Opfer gefordert.
Dies die einfache Erklärung. Die Zeit der Feldzüge seit 1S54 ist hiebei
nicht einmal eingerechnet.
Es ist sodann eine der Beachtung nicht unwerthe Bemerkung, dass
die Lebensdauer der Geistlichen durchgehends eine viel höhere ist als
die der Aerzte, selbst abgesehen von Zeiten der Epidemien, so dass das
von den Ersten erreichte Alter an einem und demselben Orte durch
schnittlich 66 Jahre beträgt, während das der Andern kaum 52 erreicht,
wie denn die Aerzte unter allen Angehörigen der s.g. «gelehrten Stände»
überall am frühesten hingerafl’t werden.
Wenn in gewissen Gegenden ermittelt ward, dass von den Ange
hörigen des Schneidergewerbcs über 30 Proc. schon im Alter von 20
bis 30 Jahren sterben, und dass überhaupt mehr als 40 Proc. der diesem
Stande sich Widmenden der Schwindsucht unterliegen, so dürfte darin
allein schon eine starke Aufforderung liegen, einerseits keineswegs mehr
vorzugsweise die schwächlichen Knaben für diese Beschäftigung zu
bestimmen, anderseits, soweit es nicht ohnehin möglich ist, sich der
Nähmaschine zu bedienen, wenigstens auf Mittel zu denken, um die
gebückte Haltung bei der Arbeit zu mildern, dem Rücken eine Stütze
zu verschaffen, und endlich für bessere Lüftung der Arbeitsräume —
dieses noch lange nicht genügend gewürdigten Erfordernisses in solchen
Fällen — zu sorgen.
Von der grössten Bedeutung werden die Untersuchungen sein,
welche sich den verschiedenen Fabrikbevölkerungen zuwenden. ,,Die
Dame“ — so ungefähr äussert sich ein trefflicher englischer Beobachter
— ,,die Dame, welche von ihrem mit Seidenstoff überzogenen Sopha
aus ihren Salon überblickt, möge von den Leiden der Verfertiger bei
nahe aller unter ihren Augen befindlichen Gegenstände erfahren. Wenn
diese glänzende Visitenkarte reden könnte, so würde sie vielleicht von