Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

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Anhang.  Zur  Philosophie  der  Statistik.

Trockenschleifer  von  Schrotmessern  und  Wollscheeren  32  Jahre.

-  Scheeren  32
-  Kasirmessern  31
-  Gabeln  29

Der  Unterschied  rührt  her  von  der  theilweisen  ^VasseranWendung  und
vom  spätem  Eintritt  in  das  Geschäft.  In  den  bessern  Fabriken  hat  man
den  Staub,  indem  man  denselben  durch  Anwendung  von  Blasbälgen  möglichst ­
  nach  dem  Kamine  treibt,  zu  entfernen  gesucht.  Allein  die  Arbeiter
selbst  widersetzten  sich  der  Neuerung.  »Das  Geschäft  geht  schlecht  genug ­
  «,  hörte  man  sie  sagen  ;  »wenn  die  Leute  noch  länger  leben,  ist  es
bald  übersetzt,  und  dann  kann  Niemand  mehr  seine  Lebsucht  verdienen!  a
Aus  dem  nemlichen  Grunde  weigerten  sie  sich,  Masken  vor  das  Gesicht
zu  binden,  und  doch  liess  sich  erweisen,  dass  schon  das  Tragen  eines
Schnurrbartes,  der  wenigstens  einen  Theil  des  Staubes  von  Mund  und
Nase  abhielt,  merklich  nützte.  Indess  wird  das  Feststellen  der  Thatsachen
  und  ihr  Bekanntwerden  dennoch  schliesslich  zum  Auffinden  von
Hülfsmitteln  und  zu  deren  wirklichen  Anwendung  führen.
Die  Bergleute  nehmen  in  den  englischen  Sterblisten  die  zweite
Stelle  ein.  Und  doch  sind  in  Grossbritanien  nicht  weniger  als  300,000
menschliche  Wesen  mit  dem  Bergbau  beschäftigt,  und  —  hörten  sie
plötzlich  auf  in  ihren  Gruben  zu  arbeiten,  so  geriethe  die  ganze  britische
und  ein  grosser  TJieil  der  ausländischen  Industrie  mit  einem  Schlage  ins
Stocken  ;  es  würde  sich  Mangel  und  Noth  sofort  über  das  ganze  Land
und  die  gesammte  Nation  verbreiten.
Am  übelsten  befinden  sich  bei  dem  Bergbau  die  Steinkohlengräber.
In  vielen  Gruben  haben  die  Kohlenschichten  nur  20  bis  25  Zoll  Mächtigkeit. ­
  Nun  soll  der  Arbeiter  möglichst  wenig  Erde  mit  den  Kohlen
aus  dem  Boden  herausbringen.  So  müssen  die  Leute  gekrümmt,  oft  auf
dem  Rücken  liegend,  12  Stunden  lang  arbeiten.  Die  ganze  menschliche
Gestalt  erhält  eine  Missbildung.  Als  einige  dieser  Leute,  wegen  Verbrechen ­
  zum  Zuchthause  verurtheilt,  nach  Wakefield  gebracht  worden
waren,  vernahm  man  von  ihnen  die  einzige  Klage,  dass  sie  die  ihnen  auferlegte ­
  Zwangsarbeit  in  aufrechter,  gerader,  statt  gekrümmter  Haltung
verrichten  müssten.  Man  rechnet,  dass  in  den  englischen  Kohlenbergwerken ­
  jedes  Jahr  850  Menschen  getödtet,  gegen  10,000  sonst  beschädigt ­
  werden.  Jede  Production  von  71,880  Tonnen  Kohlen  kostet  durchschnittlich ­
  ein  Menschenleben  !  Wie  sehr  diese  furchtbare  Zahl  vermindert ­
  werden  könnte,  zeigt  eine  Vergleichung  mit  dem  Bergbau  in  andern
Ländern.  Nach  den  Berechnungen  von  Mackworth  kommen  auf  1000
Arbeiter  in  den  deutschen  Steinkohlengruben  1,89  Getüdtete,  in  denen
von  Belgien  2,8,  in  den  englischen  durchschnittlich  4,5,  in  denen  von  Staffordshire ­
  aber  7,3.  —  Indess  bezeichnen  diese  Zahlen  nur  den  unmittelbaren, ­
  nicht  auch  den  mittelbaren  Verlust  an  Menschenleben  Die  ungesunde ­
  Luft,  die  üblen  Dünste,  der  Kohlenstaub,  welchen  die  Arbeiter
einathmen,  zerstören  nicht  minder  ihre  Gesundheit.  Asthma,  Bronchitis
und  Pneumonie  stellen  sich  bei  ihnen  in  furchtbarer  Häufigkeit  ein.
Bereits  ist  festgestellt,  dass  die  Kohlengräber  in  der  Altersperiode  vom
20.  bis  zum  60.  Jahre  im  Ganzen  sich  95  Wochen  lang  krank  befinden.
Es  sind  dies  um  67  Proc.  mehr  als  bei  andern  Arbeitern.  Die  Lunge
der  Gestorbenen  ist  durch  den  Kohlenstaub  schwarz  gefärbt.
            
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