Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

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Anhang.  Zur  Philosophie  der  Statistik.

erkennen  wollen.  Der  arme  Bauer  von  30  Jahren,  der  sein  kärgliches
Mittagsbrod  im  Schatten  einer  Hecke  geniesst,  hat  eine  um  13  Jahre
längere  Lebenswahrscheinlichkeit  vor  sich,  als  der  Monarch  vom  gleichen
Alter,  der  in  Purpur  gehüllt  und  vielleicht  Herr  eines  halben  Erdtheils
  ist.  ‘  ‘

Wir  haben  oben  verschiedene  Beispiele  angeführt  und  aus  den  früher ­
  vorgekommenen  Beispielen  sofort  Schlüsse  gezogen  für  die  Zukunft.
Aber  waren  jene  Erscheinungen  nicht  etwa  blos  zufällig?  könnten  die
Verhältnisszahlen  nicht  eben  so  gut  ganz  anders  lauten?  Auf  die  letzte
Frage  antworten  wir  mit  einem  entschiedenen  Nein  !  Nach  Massgabe
der  obwaltenden  Zustände  konnten  die  Zahlen  nur  diese  und  keine  andern ­
  sein,  und  nur  nach  Massgabe  einer  Aenderung  dieser  Zustände  selbst
können  die  Ziffern  in  Zukunft  grösser  oder  geringer  werden.
Ein  näheres  Studium  der  Statistik  beweist  die  überraschende  Thatsache
  :  Es  gibt  keinen  Zufall  in  solchen  Dingen!
Ueberall  finden  wir  Ursache  und  entsprechende  Wirkung,  —
Regelmässigkeit,  Ordnung,  innere  Uebereinstimmung,  volle  Harmonie.  —
Was  uns  als  Zufälligkeit,  als  etwas  Ausserordentliches,  in  einzelnen
Fällen  selbst  als  Monstrosität  erscheint,  —  es  bildet  nur  eines  der  äussersten
  Glieder  des  Ordentlichen  und  Gewöhnlichen  ;  es  gehört  zu  den
regelmässigen  Erscheinungen;  ja  es  ist  eben  bei  dem  wohlgeordneten ­
  Gange  der  gegebenen  Verhältnisse  geradezu  unvermeidlich,  in  gewisser ­
  Beziehung  unentbehrlich,  und  es  wird  sich  selbst  in  seinen  monströsesten ­
  Momenten  mit  einer  Regelmässigkeit  wiederholen,  die  man
sogar  in  bestimmten  Zahlen  vorausberechnen  kann.  Man  darf  nur  die
s.  g.  ungewöhnlichen  Fälle  nicht  zu  sehr  abgesondert  und  vereinzelt  betrachten, ­
  sondern  in  ihrem  factischen  Verhältniss  zu  den  »gewöhnlichen«
oder  »ordentlichen«  Erscheinungen.  Um  dieses  richtige  Verhältniss  zu
ermitteln,  hat  man  möglichst  grosse  Mengen  in  das  Auge  zu  fassen,
hat  man  sich  also  möglichst  grosser  Zahlen  zu  bedienen,  weil  dann  ein
einseitiges  Hervortreten  der  Wirkung  von  Sonderverhältnissen  in  der
Fülle  des  Ganzen  gleichsam  verschwindet,  die  bei  kleinen  Zahlen  so  störenden ­
  Irrthümer  ihre  überwiegende  Bedeutung  verlieren,  und  sogar  die
Fehler  der  Beobachtung  und  Berechnung  nach  der  einen  Seite,  sich  durch
die  nach  der  andern  im  Wesentlichen  auszugleichen  pflegen.
Beobachtet  man  die  atmosphärischen,  die  meteorologischen  Erscheinungen ­
  in  einer  Gegend,  so  wird  man  an  einzelnen  Tagen  allerdings  ganz
gewaltige  Sprünge  wahrnehmen;  aber  man  wird  dennoch  im  Grossen  und
Ganzen,  in  den  Monaten  und  noch  mehr  in  einer  Reihe  von  Jahren,  immer ­
  wieder  den  gleichen  Phänomenen  begegnen,  —  ähnliche  Hauptresultate ­
  erhalten,  in  einer  Periode  wie  in  der  andern.  Gewisse  Zeiträume
zusammengefasst,  wird  man  Mittelzahlen  bekommen,  die  fast  unveränderlich ­
  erscheinen.  Es  gilt  dies  für  die  Grösse  des  Luftdrucks,  für
Kälte  und  Wärme,  Regen  und  Schnee,  herrschende  Winde  und  zum
Ausbruch  kommende  Gewitter,  wie  für  tausend  andere  Dinge.
Tritt  in  einem  Jahr  eine  starke  Verminderung  ein,  so  folgt  alsbald
die  Ausgleichung  durch  ein  (nachfolgendes)  Uebersteigen  der  Mittelzahl,
also  durch  Vermehrung.  Beide  Fälle  aber  —  jenes  Weniger  wie  dieses
            
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