Anhang. Zur Philosophie der Statistik.
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Jahre, 1848, verminderte sich die Sterblichkeit (trotz der blutigen Junikämpfe
in Paris) beiläufig auf das Normalverhältniss : allein die Geburten
vermehrten sich gerade um 3 Proc., wie überhaupt die dessfallsige Ausgleichung
bald durch Verminderung der Todten-, bald durch Vermehrung
der Geburtszahl erfolgt. —
In den 5 Jahren 1846—50 betrug die Mittelzahl der Todesfälle in
Frankreich 848,348. Dabei kamen aber auf das Cholerajahr 1849 nicht
weniger als 982,008 ; demnach eine Ueherschreitung der Normalzahl um
134,000. Im nächsten Jahre, 1850, sank nun aber die Sterbliste auf
761,610 Fälle herab, so dass 87,000 Individuen weniger als in einem
Mitteljahr erlagen (es war gleichsam eine anticipirte Abtragung auf das
Todescontingent geleistet, welche nun dem Schuldner abgerechnet wurde
und somit zu gut kam). Gleichzeitig hob sich die Menge der Geburten,
welche im fünfjährigen Mittel 1846 — 50 949,594 betragen hatte, im J.
1849 auf 985,848, was einen aussergewöhnlichen Zuwachs von 36,000
ergibt. Durch beide Momente zusammen, war also der ausserordentliche
Verlust bis auf 1 1,000 ausgeglichen. *)
In England und Belgien machte man nach den Epidemien von 1832
und 49 ähnliche Erfahrungen. In England und Wales kamen in den 5
Jahren 1848—52 durchschnittl. 402,550 Todesfälle vor. Das Cholerajahr
1849 überschritt diese Mittelzahl um 38,303. Dagegen nahm das
nächste Jahr 1850, 33,564 Menschen weniger als die Mittelzahl hinweg,
abgesehen von einer Vermehrung der Geburten im J. 1851 um 21,000.
Welchen Schrecken hat die Malthus’sche Lehre von dem Anwachsen
der Volksmenge in geometrischer Progression hervorgebracht; zu welchen
verkehrten Vorschlägen hat sie geführt ; wie sehr hat sie eine vernünftige
Entwickelung der Gesetzgebung über Verehelichung und Niederlassung
aufgehalten, und selbst die bereits erlangten Fortschritte vielfach
wieder geschädigt. Wäre die Statistik damals schon zur Genüge
ausgebildet gewesen, so würde nicht blos Vielen eine unnöthige Furcht
erspart, sondern auch gar manche für das Volkswohl gemeinschädliche
legislatorische und polizeiliche Massnahmen vermieden worden sein.
Ileberall hiess es; die Lebensmittel können nur in arithmetischer Progression
vermehrt werden, die Menschenmasse aber wächst in geometrischer
Progression. Daher Erneuerung des Systems väterlicher Bevormundung
des Volkes durch die bureaukratische Weisheit ; daher Beschränkung
der lleirathen, Beschränkung der Ansässigmachung, Beschränkung
des Gewerbebetriebs, Beschränkung der Gütertheilbarkeit.
Jeder polizeiliche Eingriff in die natürlichsten Rechte schien befugt, ja
schien sogar nothwendig für das Gemeinwohl. Diesen Volksbeglückungsexperimenten
gegenüber blicke man doch auf die durch die Statistik festgestellten
Ergebnisse in Ländern, in denen man mehr oder minder vollständig
dem Grundsätze freier Bewegung huldigt. Hat sich die Menschenzahl
hier wirklich in geometrischer Progression vermehrt? Die Volksmenge
hob sich, nach Procenten der vorhandenen Anzahl :
*) Nach dem Cholerajahr 1854 konnte sich die Ausgleichung nicht sofort
ergeben, da 1855 wieder ein Kriegsjahr war; erst später erfolgte diese Ausgleichung.