Full text: Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

Anhang. Zur Philosophie der Statistik. 
541 
Die Regelmässigkeit der Wiederholungen ergibt sich u. a. auch 
bei den Ermordungen mit Vorbedacht gerade so wie bei den in Folge 
augenblicklicher Aufwallung, oder in Folge von Streitigkeiten aus schein- 
Januar 
Februar 
März 
April 
Mai 
Juni 
Juli 
August 
September 
October 
November 
December 
{IS‘% 
57 
73 
78 
94 
103 
104 
103 
94 
85 
78 
60 
05 
(18“4 
08 
77 
90 
82 
97 
102 
95 
92 
78 
84 
04 
70 
meisten Selbstmorde auf den Juni, die wenigsten auf den December fallen, 
während die Hitze und resp. Kälte allerdings erst später eintritt. Er kommt 
daher zu dem Schlüsse: ,,Die relative Gleichheit der Monate Mai bis Jimi und 
die meist schon beträchtlichere Wiederabnahme im August beweist, dass es 
nicht der absolute Hitzgrad, sondern die Ungewohnheit der Hitze und der 
U ebergang von der kalten zur warmen J ahreszeit ist, wodurch der Selbstmord 
so stark begünstigt wird.“ Unser Erklärungsversuch hat wol den Anspruc 
einfacher und zutreffender zu sein. Wir lassen einige der Zusamenstellungen 
aus andern Ländern als Frankreich folgen, obwol ihre \olkszahl viel kleiner 
und das Ergebniss somit Schwankungen ungleich mehr ausgesetzt ist, und fügen 
die Resultate von Berlin bei, als Zeichen der anomalen Gestaltung in einer 
solchen Stadt mit ihren zahlreichen anderweiten Einwirkungen. Dabei muss 
nochmals daran erinnert werden, dass W agner bei seiner sonst so sehr ver 
dienstlichen Arbeit es doch versäumt hat, die Ergebnisse der einzelnen . lonate 
auf eine gleiche Anzahl von Tagen zurückzuführen. 
Belgien Bayern Oestreich Dänemark 
- 
02 
00 
70 
88 
110 
119 
121 
98 
78 
05 
08 
'Es%1iabci noch zu bemerken, dass die Beobachtungen in den eben auf 
geführten Ländern auf etwa 12,000 Fälle beschränkt waren während die 
aus Frankreich sich (1827-58) über nicht weniger als 92,002 solcher Fälle 
ausdthnUn. „och eine Notiz bei : Für Frankreich ist constatirt, dass der 
Mann im jugendlichen Alter am meisten das Erhängen an wendet; snäter be 
dient er sich am meisten der Feuerwaffen ; im Alter entscheidet er sich neuer 
dings für das Erhängen (s. Guerry, Eomi sur la statuiUque morale de la trance, 
Earis 1033;. Bei dieser Gelegenheit mag auch noch erwähnt werden, dass die 
Neigung zum Selbstmorde nicht abnimint (wie man sonst meinte), sondern wächst 
mit den Jahren ; blos das allerhöchste Alter bietet eine geringe Verminderung 
dar. Auf je 100,000 Menschen einer bestimmten Altersclasse (also z. B. aut 
100,000 männliche oder ebenso viel weibliche Einwohner zwischen 5 und mehr 
als 80 Jahren etc.) kam in den Jahren 1849—58 in Jrankreich folgende Zahl 
von Selbstmorden : 
Lebensalter Selbstmorde von Männern 
von 5—30 Jahren 12,1 
(18‘%, 
67 
08 
03 
88 
113 
139 
110 
82 
72 
08 
71 
53 
Schweden 
(18"/.,) 
70 
78 
73 
91 
137 
96 
90 
70 
83 
73 
05 
02 
Berlin 
(18‘7..) 
97 
48 
117 
08 
112 
83 
97 
112 
59 
08 
00 
73 
30—40 - 
40—50 - 
50—00 - 
60—70 - 
70—80 - 
80 und mehr 
35,7 
50,9 
67,0 
73,4 
78.3 
69.3 
Frauen 
5,4 
10,7 
14.5 
17.5 
22,0 
23,5. 
23.5 
Somit permanentes Steigen bis zu 80 Jahren; — erst dann tritt eine Ver 
minderung ein, und selbst dies nur bei den Männern ; denn bei den Frauen muss 
man bis zur zweiten Decimalstelle greifen, um überhaupt eine V ernngerung 
feststellen zu können.
	        
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