Full text: Währung und Handel

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(lip (len Zinsfuss sclnvankpTidpr machen könnt(^n. Kämen 
fremde Capitalien nicht leichter und reichlicher herein, so 
könnten sie nnmöglich zu Zeiten leichter und reichlicher ab 
strömen ; würden die internationalen Handelsbeziehungen nicht 
erweitert, so könnten fremde Handelskrisen keinen vehemen 
teren Rückschlag ausüben als zuvor, und würde die Production 
dui’ch den gesteigerten fremdländischen Absatz nicht gehoben, 
so konnte eine Stockung im fremden Absätze nicht gefährlicher 
werden als hei der Silberwährung. Die Behauptung, dass 
ein bestimmtes Land derartigen Erschütterungen noch nicht 
gewachsen , dass es ans diesem (H unde für die GroldWährung 
noch nicht reif sei, krankt daher an einem inneren Wider- 
s])ruche. Ein Verkehrsgebiet kann allerdings unreif sein für 
die (-roldwährung, aber nur ans inneren Gründen, wenn nämlich 
dieses Tauschmittel noch zu kostbar zur Vermittlung seiner 
kleineren Transactionen ist. Aber selbst einem solchen Lande 
könnte die Goldwährung in internationaler Beziehung nur 
Nutzen, aher keinen Schaden bringen. Der Nutzen wäre dann 
eben wegen des geringen Verkehrs mit dem Auslande verhält- 
nissmässig gering, aber ebenso gering müssten die Erschütte 
rungen des (/reditsystems in Folge der Goldwährung bleiben. 
Diejenigen, die das Gegentheil glauben, gehen von der 
Ansicht ans, dass internationale Schulden gekündigt werden 
können gleich einer auf kurze Sicht ausgestellten Anweisung, 
dass demnach die international verschuldeten Länder der Ge 
fahr einer plötzlichen Zurückziehung der vom Auslande bei 
ihnen investirten (Kapitalien ansgesetzt seien und dass diese Gefahr 
desto drohender werde, je bequemer den fremden (Kapita 
lien durch eine Verbesserung der heimischen Geldverhältnisse 
diese Zurückziehung gemacht wird. Man hört sehr häufig die 
Behauptung, dass England, dem die übrige Welt viele Mil 
liarden schuldig geworden sei, für den Fall, als sich dort 
eine Beengung des Geldstandes zeigen sollte, mit leichter 
Mühe durch Zurückziehung auch nur eines geringen Bnich- 
theiles seiner im Auslande placirten Gelder für das Fehlende 
Ersatz schaffen könne , während die verschuldeten Länder in 
diesem Falle wehrlos dieser Kündigung gegenüberstünden, ja 
der. Gefahr ausgesetzt wären , dass ihnen auf diesem Wege 
ihre gesammten Baarmittel eines schönen Tages entzogen 
Dr. Til. Hertzka, Währung nnd Handel. 94
	        
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