Das Clearinghouse.
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! — S. S. 86. Wenn Statt dessen jetzt in Deutschland drei
Taiifsysteme gelten, abgesehen von den aus dor Combination
derselben entstehenden weiteren Abarten, so ist, so lange
dieser Zustand dauert, ein Fortschritt irgend welcher Art für
ganz Deutschland unmöglich, und selbst innerhalb des Gel
tungsbereichs der verschiedenen Systeme durch das Hinüber
greifen und die unvermeidliche Einwirkung der anderen
Systeme sehr erschwert. Immerhin werden die bei dem
Classificationsystem veibleibenden norddeutschen Bahnen,
' ihnen erst die Einführung des im vorigen
. Winter vom Tarifverbande vereinbarten Tarifpro-
jects gestattet sein wird — s. S. 86 — sich nach dem
Vorbilde des englischen Clearinghousevereins enger zusam-
inenschliessen können und wollen, auch wenigstens für ihre
directe Verkehre untereinander, eine centralisirte Abrechnung
einzuführen in der Lage sein.
Führt die vom deutschen Reich eingeleitete Tarifenquete Nothwendigkeit
zu einem formell einheitlichen Tarif für ganz Deutschland, so orgaZl» der
wird eine besondere Organisation der gesammteii deutschen
Bahnen untereinander, nothwendig werden. Denn ein for
mell einheitlicher Tarif ist nur erst die, allerdings unerläss
liche Basis einer Organisation für die gegenseitigen Gesammt-
; beziehungeil der Bahnen, innerhalb und mittelst welcher
Weiterhin alle die noch zahlreichen andern Puñete gemeinsam
ünd einheitlich geregelt werden können, welche zu regeln
, sind, damit, wie es das erwähnte englische Gesetz über den
niit der Reichsbahn ihre normalen Einheitssätze anstatt der niedrigen
Einheitssätze der Reichsbahn einzurechnen. Dass dies nicht der Fall,
das ist der Grund einer grossen und nur immer steigenden Verwirrung
I der Tarif- und Verkehrsverhältnisse, einer schweren finanziellen Schädi-
gung der übrigen Eisenbahnen, und einer empfindlichen Verletzung der
concurrirenden Frachtinteressenten in den übrigen Theilen Deutsch-
: lands. Wenn z. B. Spiritus in diesen Tarifen zu D/g Pf. d. h. zur
Hälfte des Satzes der übrigen Tarife gefahren wird, dann müssen wohl,
zum Nachtheil für die deutsche Spiritusindustrie, die Handelsbeziehungen
'"öllig verschoben werden. S. auch Seite 138, 126, 122 u. 60.