Unter den modernen Privatbanken nimmt neben der Koeiete Generale
der im Jahre 1853 gegründete CreäitLyonnaisdie hervorragendste
Stellung ein *). Einen gewaltigen Aufschwung nahm das Institut seit An
fang der achtziger Jahre, als es, durch die Erfahrungen des Bontoux-
Krachs (1882) gewitzigt, sich nunmehr fast ausschließlich dem Kommis
sions- und Depositengeschäft widmete. Unter der umsichtigen Leitung von
Henry Germain (f 1905) entstand das fein geästelte Filialen- und
Depositensystem des Credit Lyonnais, das auch für die Banken anderer
Länder vorbildlich geworden ist. Das Aktienkapital beträgt 400, der Re
servefonds 800 Millionen Fr.; die Höhe der fremden Gelder belief sich
Ende 1936 auf 10,4 Milliarden Fr.
Die Zahl der französischen Filialen des Credit Lyonnais hat sich 1936
von 1460 auf 1372 verringert. Das Institut besitzt auch zahlreiche Filialen
im Auslande. Weit über eine halbe Million Konten werden bei der
Bank geführt. Das besondere Interesse eines jeden Sachkundigen bean
sprucht „Le Lerviee des ötudes linanoieres" * 2 ), b. i. das Archiv und die Statistische
Abteilung der Bank. Budgets aller Länder und vieler größeren Städte, Pro
spekte über Emissionen von Staats-, Provinzial- und Stadtanleihen, Jahres
berichte aller französischen und einer großen Anzahl ausländischer Aktiengesell-
schäften, Ein- und Ausfuhr-Statistiken sind hier zu finden. Auch die Zeitung
für die Direktion und den Verwaltungsrat wird in dieser Abteilung auf Grund
der aus den bedeutendsten politischen und finanziellen Zeitungen entnommenen
Notizen zusammengestellt.
Weiter sind zu nennen als Depositenbanken (Banques de dtpots et
de credit, das sind jedoch keine reinen Depositenbanken wie in England):
Societe Generalesnbc 1936 9,05 Milliarden Fr. fremde Gelder), Comptoir National
d’Escomple de Paris (7,45 Milliarden Fr. fremde Gelder) und Credit Induslriel et
Commereial. Bei diesen Depositenbanken mit ihren rund 4000 Filialen ist fast
das ganze Depositengeschäft Frankreichs konzentriert.
Banques d’affaires (Gründlings- und Emissionsbanken) sind: die Banque de
Paris et des Pays-Bas und die Banque de l’Union parisienne.
Z Schrifttum: C. Hegemann, Die Entwicklung des französischen Groß
bankbetriebes. Freiburg 1908. Eugen Kaufmann, Das französische
Bankwesen. Tübingen 1911. B. Mehrens, Die Entstehung und Entwicklung
der großen französischen Kreditinstitute. Stuttgart 1911. Fr. Schaum, Das
französische Bankwesen. Stuttgart 1931. Über Organisation auch mein „Bank
geschäft", Bd. I.
2 ) Siehe mein „Bankgeschäft", I. Band, 9. Ausl. S. 677.
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