Full text : Die österreichisch-rumänische Zollfrage

27

liehe  Folge  davon  aber  wird  und  muss  sein:  Die  Ueberschwemmung
  Oesterreich  -Ungarns  mit  fremdem
Getreide.
Wie  der  hydrostatische  Druck  sich  im  communicirenden
Gefässe  überallhin  gleich  weit  fortpflanzt  und  das  Wasser
dorthin,  wo  es  den  geringeren  Widerstand  findet,  hindringt,
so  sehen  wir  es  auch  im  Welthandel,  dass  die  Waare  sich
dorthin  mit  unwiderstehlicher  Gewalt  gezogen  fühlt,  wo  sich
ein  Zollvacuum  vorfindet.
Durch  die  Getreideschutzzölle  unserer  Nachbarländer
wird  nicht  blos,  wie  schon  mehrmals  erwähnt,  unser  Erzeugnis ­
  vom  Markte  der  betreffenden  Staaten  vertrieben,
sondern  auch  das  Rumäniens  und  Russlands,  ßeliessen  wir
nun  dem  fremden  Getreide  seine  bisherige  Zollfreiheit,  so
würde  unser  eigener  Markt  überfluthet  werden  nicht  blos  von
unserem  eigenen,  in  anderen  Jahren  exportirbar  gewesenen
Producte,  sondern  auch  von  den  Mengen  des  ausländischen,
dem  die  Getreideschutzzölle  Europas  den  Markt  verschlossen
halten.
Würde  Rumänien  nicht  unter  so  viel  günstigeren  äusseren
Bedingungen  produciren  (jungfräulicher  Boden,  billige  Arbeitskraft, ­
  niedrige  Steuern,  geringere  Lasten  der  Wehrpflicht)
als  wir  es  können,  so  wäre  seine  Concurrenz  auf  unserem  stammeigenen ­
  Boden  weniger  bedeutungsvoll.  Wie  die  Verhältnisse
aber  thatsächlich  sind,  brauchen  wir  bei  dem  riesig  zunehmenden ­
  Importe  rumänischen  Getreides  einen  Schutz  vor
der  preisdrückenden  Wirkung  desselben.  Dass  diese  Zunahme
wirklich  stattgefunden  hat,  mögen  folgende  Zahlen  zeigen
(siehe  umstehende  Tabelle).
Zur  besseren  Würdigung  dieser  Zahlen  erinnern  wir
daran,  dass  im  Jahre  1876  unser  bisheriger  Zollvertrag  mit
Rumänien,  im  Jahre  1880  die  Getreideschutzzölle  Deutschlands ­
  in  Kraft  traten,  während  ihre  so  bedeutende  Erhöhung
in  das  Jahr  1885  fällt.
Wie  lähmend  gerade  letztere  Massregel  auf  den  Export
unserer  Cerealien  wirkte,  wollen  wir  noch  an  den  soeben
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.