Full text : Schutz dem Arbeiter!

Während  in  England  für  die  Textil-Fabriken  durch  Gesetz  eine
kürzere  Arbeitszeit  (von  10  Stunden  täglich,  56  Stunden  wöchentlich)
vorgesehen  ist,  wie  für  die  übrigen  Industrien,  ergeben  obige  Mittheilungen ­
  für  Deutschland  die  Thatsache,  daß  hier  gerade  in  der  Textilindustrie ­
  eine  außerordentliche  lange  Arbeitszeit  Regel  ist.
Şoin  Breslau-Liegnitz,  in  Oppeln,  Min  d  en-Mün  ster,  Düsseldorf, ­
  im  Königreich  Sachsen,  in  Ober-Bayern,  Nieder-Bayern,
Schwaben  und  Neu  bürg,  im  Großherzogthum  Baden.  Im  Speciellen
>vird  das  bestätigt  von  Aachen:
1251  fabriksmäßig  betriebenen  Anlagen  des  Regierungsbezirks  Aachen,  mi
,  .  05  Arbeitern,  gehören  253  Anlagen  mit  19402  Arbeitern,  also  4 / 9  sämmtlicher  Arc
 Uer,  der  Textil-Industrie  an.  In  Spinnereien  und  Webereien,  deren  Zahl  199
ch'ägt,  sind  15970,  also  mehr  als  ein  Drittel  der  Gesammtzahl  aller  Arbeiter,
cschäftigt.  Etwa  ein  Drittel  der  in  Spinnereien  und  Webereien  thätigen  Leute  wird
änlich  elf  Stunden  beschäftigt;  die  übrigen  zwei  Drittel  haben  zu  unwahr ­
  gleichen  Theilen  zehn-,  zwölf-,  und  mehr  als  zwölfstünd  ige
Arbeitszeit."
Auch  in  dem  Regierungsbezirke  Potsdam-Frankfurt  a.  O.
Shoren  zu  den  Industriezweigen,  welche  regelmäßig  während  des  ganzen
wahres  mit  dem  gesammten  Personal  mindestens  12  Stunden  und  zeit-^kise
  sogar  länger  arbeiten,  die  Streichgarn-,  Kammgarn-  und
"Oltumwoll-Spinnereien.
»3)k  Spinnereien  arbeiten  nur  bei  Tage  (zu  V 3  bes  Personals  Frauen),  dehnen
et  im  Sommer  ihre  Arbeitszeit  meistens  von  5  Uhr  Morgens  bis  9  Uhr  Abends,  also
U  ï  14  Stunden  wirkliche  Arbeitszeit,  im  Winter  von  6  Uhr  Morgens  bis  7,
e j U  \  ®  blhr  Abends  aus.  Diese  Arbeitszeit  ist  eine  ziemlich  regelmäßige  Jahr  aus  Jahr
ņ  bei  den  Lohnspinnereien.  Anders  liegen  die  Verhältnisse  bei  denjenigen  Spinnereien,
k c  che  eine  eigene  Betriebs-Abtheilung  einer  Tuchfabrik  ausmachen.  Hier  ist  die  Arbeits-Cluer
  viel  unregelmäßiger,  und  richtet  sich  ganz  nach  dem  jeweiligen  Bedürfniß.  Im  Allkleinen
  sind  die  letztgenannten  Spinnereien  noch  mehr  überbürdet,  weil
^'e  Garnherstellung  gegenüber  dem  Bedarf  der  eigenen  Webereien  fast  überall  zu  klein
schnei  worden  ist."
cv  Breslau-Liegnitz  schwebt  der  Arbeitstag  in  der  Tuchduft
  rie  zwischen  11  (Samstags:  10)  und  13  (Samstags:  12)
""den.  „Sehr  lange  Arbeitsschichten  wurden  theilweise  in  F  lach  s-Ornspinnereien
  beobachtet,  man  arbeitete  mitunter  von  früh  5  Uhr
ìs  Abends  8  Uhr  bei  zwei  Stunden  Pause,  also  13  Stunden.
Was  ergibt  sich  nun  aus  vorstehender  Darstellung?
j.  Zunächst  die  Thatsache,  daß,  wenn  auch  die  elfstündige  Arbeitszeit
/reits  Regel  ist,  ja  der  gesetzliche  elfstündige  Arbeitstag  vielfach  z.  B.
Berlin-Charlottenbu/g,  in  Bremen,  Hamburg  re.  schon
kh  atsäch  liche  Entwi  cke  lung  überholt  zu  sein  scheint,
nr  .  ^  Regel  eb  enso  vielfach  durchbrochen  wird;  daß  nament-^
  în  einzelnen  Gegenden  und  Industrien  eine  beklagens-
            
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