Full text: Antike Wirtschaftsgeschichte

Umsturz, Demokratie. 
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tum zusammen — wir haben eben gehört, daß im Gegenteil die 
Ansichten über dasselbe oft sehr revolutionär waren —, sondern 
vor allem mit einem Mangel an wirtschaftlicher Bildung. Die 
Fragen der staatlichen Verfassung wurden weit eingehender be 
handelt als die der Wirtschaftsordnung. Und die wirtschaftlichen 
Forderungen in den Neformvorschlägen suchten vielfach mehr auf 
vergangene Zeiten zurückzugreifen als die Neuerungen entsprechend 
zu verwerten. Gerade die eingehenden Arbeiten zur vergleichenden 
Verfassungsgeschichte der aristotelischen Schule dienten weniger dazu, 
den neuen Staat vorbereiten zu helfen und so den kommenden 
Großstaat auf eine neue wirtschaftliche Basis zu stellen als viel 
mehr die Staatsordnung, wie sie z. B. in Athen bestand, zu be 
kämpfen und die Kleinstaaterei, die zum Teil schon überwunden 
war, wieder voll durchzuführen. Die Demokratie hatte politisch in 
Athen gesiegt, ehe sie sich noch soweit geistig entfaltet hatte, um 
als Opposition ihre wirtschaftlichen Ideen theoretisch zu fundieren. 
Da aber gerade die Opposition dazu neigt, die theoretische Aus 
bildung zu fördern, so war es vor allem die aristokratisch ge 
färbte Gegenströmung, der Plato und Aristoteles angehörten, die 
durchgebildete Staatstheorien lieferte. Diese Staatslehrer aber 
verachteten alle Stände, welche nun im Vordergründe standen, den 
Kaufmann, den Industriellen, sei er Fabrikherr oder Handwerker, 
den Arbeiter und den Sklaven. Sie dachten garnicht daran, daß 
man diesen Ständen im neuen Staate eine irgendwie bedeutsame 
Stellung einräumen könnte. Wirtschaftliche Untersuchungen im 
modernen Sinne, welche die Wirkungen bestimmter wirtschaftlicher 
Einrichtungen verfolgt hätten, fehlten. Xenophon z. B. redete, wenn 
er den tiefsinnigen Philosophen markierte, nur über die Haus 
wirtschaft, hingegen wußte er, wenn er sich auf den Staatsmann 
hinausspielte, von den großen internationalen Beziehungen zu er 
zählen. Die andern dagegen sammelten wieder allerlei einzelne 
Finanzgriffe, wie sie uns in der sogenannten zweiten „Ökonomik" 
des Aristoteles und zum Teil in den „Kriegslisten" des Polyän 
erhalten sind, die an sich recht geistreich sind, aber nicht auf ihre 
prinzipielle Bedeutung, sondern nur auf ihren augenblicklichen 
Erfolg hin untersucht wurden, den sie übrigens oft recht zufälligen 
Umständen verdankten. Die Schriften der philosophischen Wirt 
schaftslehrer sind in manchen Teilen recht kläglich — wenn nicht 
ein überragender Geist wie Aristoteles geistvolle Darlegungen ein 
schob — nicht etwa weil damals die Finanzleute und Kaufleute
	        
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