Object: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

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* Erstes Buch, Cap. 8. 
nackten Rationalismus und den völligen Bruch mit den puri- 
tanischen Traditionen der englischen Demokratie. 
Bei Locke sind die Menschen noch Eigenthum Gottes, 
die Worte „göttliches Recht und Natfrrecht“ kommen ver- 
bunden vor, alttestamentliche Stellen werden zum Beweis poli- 
tischer Sätze angeführt. Demzufolge bleibt er auch mässig 
in seinen Consequenzen aus dem Individualismus und der 
Volkssouveränetät. „Die Gewalt, welche jedes Individuum 
der Gesellschaft verlieh, als es in dieselbe eintrat, kann 
nie zu dem Individuum zurückkehren, sondern muss immer 
bei der Gesellschaft bleiben.“ Locke befürchtet nichts von 
dem Widerstandsrecht des Volkes, will im Grunde nur die 
„glorreiche Revolution“ rechtfertigen und die ununterbrochene 
Herrschaft des Gesetzes sichern. 
Anders bei Bentham, der die Religion keineswegs leugnet, 
aber aus seinem Gedankengang völlig eliminirt und die 
innersten Ueberzeugungen des Individuums zur unbedingt 
freien, letzten Richterin über alle öffentlichen Fragen einsetzt. 
Das „Fragment on Government“ war eine kritische Schrift, 
gerichtet gegen Blackstone’s Commentare. Nur gegen den 
allgemeinen prineipiellen Theil von Blackstone’s einflussreichem 
Buche wendet sich Bentham in seiner „Leidenschaft für 
Reform“, seiner heftigen Abneigung gegen „Phrasen“ und 
„Fictionen“. Dem Blackstone’schen Satze: „es sei nie ein 
Gesetz geändert worden ohne folgende Reue“, stellt Bentham 
den andern entgegen: „Alles, was heute feststehend ist, war 
einst Neuerung.‘ Allein so sehr die Schrift einen beschränkten 
kritischen Zweck verfolgt, zwei Eigenthümlichkeiten von all- 
gemeinster Bedeutung treten bereits in der Vorrede (zur 
ersten Auflage) hervor: 
Bentham kritisirt nicht als Jurist, sondern als Reformator, 
oder wie er sich ausdrückt, als Censor; er spricht nur de 
lege ferenda. Und als Censor geht er von allgemeinsten 
Axiomen aus; der Censor muss Weltbürger sein. Das, was 
sein soll, ist auf der ganzen Erde nahezu dasselbe. Freilich 
hat sich Bentham später scharf gegen Menschenrechte er- 
klärt, und ausgesprochen, Recht sei nur das geschriebene
	        
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