Full text : Das Unternehmen und der Unternehmergewinn vom historischen, theoretischen und praktischen Standpunkte

die  berühmten  Schwerter  des  Nibelungenliedes  und  .des  Epos  Waltharius,
  fast  wie  Heiligtümer  verehrt  wurden,  sind  kriegsgefangene
Sklaven  als  Handwerker  verwendet  worden.  Den  Sklavenhandel
kannten  die  Germanen  nicht,  und  ihr  Warenhandel  vollzog  sich  im
Tausche.  Geld  lernten  sie  von  den  Römern  kennen.
Bis  zum  12.  Jahrhundert  waren  in  Deutschland  die  Klöster
der  Sitz  des  wissenschaftlichen  wie  des  gewerblichen  Lebens.  In
der  sogenannten  lateinischen  Zeit  waren  es  besonders  die  Benediktiner, ­
  welche  die  Wissenschaften  und  Künste  in  Deutschland  pflegten,
und  manches  Denkmal  der  deutschen  Nationallitteratur  z.  ß.  verdankt ­
  die  Wissenschaft  dein  Fleiße  dieser  Ordensmönche.
Und  während  in  Italien  sich  jetzt  der  überseeische  Handel
immer  mehr  und  mehr  entfaltete,  während  Genua,  Pisa  und  Venedig
blühende  Handels-Emporien  wurden;  als  Italien  sich  zu  mächtigen
Handelsstaaten  umgestaltete  :  da  ward  von  den  Deutschen  die  große
Kultursendung  der  wissenschaftlichen  Pflege  übernommen.
So  war  es  auch  Venedig,  wo  im  Jahre  1157  ein  ganz  neues,
bisher,  noch  unbekanntes  Unternehmen  ins  Leben  gerufen  wurde,
es  war  dies  die  erste  Bank,  das  erste  Kreditunternehmen. ­
  Und  damit  ist  der  Zeitpunkt  in  der  Wirtschaftsgeschichte
aller  Völker  gekennzeichnet,  mit  welchem  die  Geldwirtschaft
durch  die  Vermittelung  des  Kreditunternehmens  ihre
große  Mission  an  die  Kreditwirtschaft  übergeben  hat.
Was  Sokrates  und  Aristoteles  schon  erkannt  hatten,  indem
sie  den  Mittelstand  den  besten  nannten,  das  entwickelte  sich  nun
aus  der  freien  Arbeit;  denn  erst  die  hat  den  Mittelstand  geschaffen.
Durch  die  Wissenschaft,  durch  Entdeckungen  und  Erfindungen  ist
der  Wert  des  Menschen  gestiegen  und  der  Arme  vom  Reichen  und
der  Schwache  vom  Starken  unabhängig  geworden.
Auch  in  Deutschland  wurden  die  Städte  Sammelpunkte  des
Handels  und  der  Gewerbe.  Nicht  allein  ihre  Unabhängigkeit,  sondern ­
  auch  bisweilen  neben  großem  Reichtume  eine  große  Macht
wussten  sie  sich  zu  erringen  und  zu  bewahren,  und  wurden  später
zur  Zeit  des  Interregnums  (1256—  1273)  die  Stützen  des  Kaiserreiches. ­
  Freilich  ist  auch  darin  die  Ursache  zu  suchen,  dass  in
Deutschland  eine  große  Münzverwirrung  im  Mittelalter  geherrscht
hat;  es  gab  so  viele  Münzarten,  als  unabhängige  Städte  und  mit
Hoheitsrechten  ausgestattete  Grundherren.  Die  kölnische  Mark  war
es,  die  diesem  Zustande  ein  Ende  machte  und  gar  rasch  in  den
europäischen  Verkehr  trat.
Schroeder,  Uas  Unternehmen  u.  der  Uuternehmergewion,

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