A Anhang.
Dieser ökonomische Fortschritt in den Kolonien wirkt mit an der Proletarisierung
weiter Schichten der kolonialen Bevölkerung und treibt sie zum proletarischen Kampfe
gegen den Imperialismus. Dadurch findet der Entscheidungskampf gegen den Imperialis-
mus in der ganzen Welt neue Verstärkung.
In diesem Kampfe steht das Proletariat auf der Seite der Kolonialvölker, die um
die Freiheit ihrer politischen und wirtschaftlichen Entwicklung ringen.
Dieser Kampf, der Kampf um die nationale Freiheit, ist von ungeheurer Tragweite,
aber nicht identisch mit dem proletarischen Entscheidungskampf gegen den Imperialismus.
Vom proletarischen Gesichtspunkt aus zielt dieser nationale Kampf allein daraufhin,
günstigere Bedingungen für den Zusammenschluß und den Erfolg des Proletariats in
seinem Entscheidungskampf gegen den Imperialismus zu schaffen. An diesem nationalen
Kampfe nehmen die verschiedensten Klassen der Nation teil. Aber wie bei allen fortschritt-
lichen Freiheitsbewegungen unserer geschichtlichen Zeitwende wird die nationale Freiheits-
bewegung die leitende Rolle spielen, die von differenzierten Klassen und einem modernen
Proletariat getragen wird. Denn das Proletariat steht auch an der Spitze dieses nationalen
Kampfes.
Indem es weite Bevölkerungsschichten in seinen Bannkreis zieht, säubert es die Bewegung
von jeglichem reaktionären Element, verknüpft sie mit den vitalen Interessen der Massen
und verhindert, daß die Bourgeoisie sich mit dem Imperialismus verbündet. Andererseits
ist das Proletariat des Mutterlandes die einzige Macht, die mit dem Proletariat der Kolonien
Fühlung nehmen und seinen Kampf erleichtern kann.
Diese Hilfestellung des Proletariats der Mutterländer bildet wiederum einen bedeuten-
den Faktor, der den Sieg entscheiden kann und muß.
Dort, wo der nationale Befreiungskampf — bei einer Nation mit differenzierten Klassen
— nicht vom Proletariat angeführt wird, bleibt er in den meisten Fällen ein blindes
Werkzeug in den Händen einer feudalen „nationalen“ Aristokratie. Oft unterstützt er einen
Imperialismus im Kampfe gegen einen anderen. Eine Bewegung von solchem Charakter
wird die proletarischen Massen zurückstoßen; zuweilen aber macht sich selbst unter den
aufrechten Elementen der nationalen Freiheitsbewegung eine Tendenz bemerkbar, in einem
Imperialismus den Verbündeten gegen die Aristokratie und die reaktionären Elemente
innerhalb des eigenen Volkes zu suchen. Wir müssen die Elemente solcher Richtung be-
kämpfen. Wir müssen jede Versöhnung mit dem Imperialismus bekämpfen und die arbeiten-
den Kräfte für diesen Kampf organisieren. Wir müssen in unserem Kampfe die schweren
Fehler vermeiden, die auf den Mangel einer klaren Analyse der nationalen Bewegung zurück-
zuführen sind. Auch in den Kolonialländern existiert keine allgemeine und abstrakte National-
bewegung. In Wirklichkeit bestehen nur konkrete Formen des Nationalgefühls verschiedener
Klassen. Jede lebenswichtige Gesellschaftsklasse vertritt eine eigentümliche nationale Strömung,
mit ihren besonderen Klassenzielen, Klassenforderungen und ihrer spezifischer Klassentaktik.
Es besteht eine feudale Nationalbewegung, eine bürgerliche Nationalbewegung und eine prole-
tarische Nationalbewegung. Auf die proletarische Nationalbewegung aber müssen wir unsern
Kampf gegen den Imperialismus stützen. Die Ziele der proletarischen Nationalbewegung sind:
den Boden zu bereiten für die Herrschaft der arbeitenden Massen der Nation, für eine Republik
der Arbeiter und Bauern. Daher muß der Kampf der proletarischen Nationalbewegungen
in den Kolonialländern sich mit gleicher Kraft gegen die herrschende imperialistische
Macht wie gegen die reaktionären Elemente innerhalb der eigenen Nation richten. Das
Proletariat muß die politischen Forderungen mit den sozialen und wirtschaftlichen Forde-
rungen verknüpfen, und danach streben, die produktiven Kräfte des Landes zu befreien,
die Interessen der Arbeiterklasse zu sichern und die Kräfte der Bauern wie die der arbeiten-
den Massen unter der Fahne des Proletariats zu vereinen.
Die proletarische Nationalbewegung in Palästina und der Kampf
gegen den Imperialismus.
Die Zuflußquelle des palästinischen Proletariats ist:
1. die Einwanderung jüdischer Arbeiter, die darnach streben, in diesem Lande ein
territoriales Zentrum zu schaffen, und
2. die Proletarisierung der arbeitenden arabischen Massen.
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