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I. Buch. Production und Konsumtion.
ist für die kleinen Unternehmungen günstig. Andere Erfindungen der Neuzeit
gereichen ihnen aber zum Nachtheil, und es hat gegenwärtig nicht den An
schein, als ob der gewaltige Umschwung, welcher dem fabrikmäßigen Betrieb
im ganzen das Uebergewicht verschaffte, eine rückläufige Bewegung erfahren
würde. Was insbesondere den Handel anlangt, so werden wahrscheinlich
die kleinen Geschäfte noch mehr als bisher großen Unternehmlingen Platz
machen müssen.
Bezüglich der Landwirtschaft läßt sich, wie die Dinge heute liegen, keine
Boraussage darüber machen, was die Oberhand behalten wird: die Groß
betriebe init rein kapitalistischer Betriebsweise, welche nur einen möglichst großen
Geldertrag herauszuschlagen sucht, oder social gesunde und wirtschaftlich er
giebige Formen des Großgrundbesitzes, oder endlich — was das Wünschens-
wertheste ist — eine Vertheilung des zu landwirtschaftlichen Zwecken ver
wendeten Grund iinb Bodens, die neben einer bedeutenden Anzahl großer
Güter und großer agricultureller Unternehmungen auch eine beträchtliche Menge
bäuerlicher Besitzungen verschiedenen Umfangs iinb ganz kleiner Anwesen (Ar
beiterhäuser mit einem Stück Land, Garten u. s. w.) bestehen läßt.
Es wird von verschiedenen Uinständen abhängen, welche Form des land
wirtschaftlichen Betriebes die Oberhand behält. Je nachdem man staatlicher-
seits für die landwirtschaftlichen Interessen Sorge trägt, und vor allem, je
nachdem in den verschiedenen Schichten der ländlichen Bevölkerung der Geist
der Treue gegen die Ueberlieferung, verbunden mit einem offenen Auge für
die nothwendigen technischen Umgestaltungen im Geiste der modernen wissen
schaftlichen Fortschritte, je nachdem namentlich in der Mitte der Großgrund
besitzer wie der Bauern wahrhaft religiös-sittlicher Ernst und eine damit im
engsten Zusammenhange stehende Vorliebe für ein ruhiges, arbeitsfreudiges,
bis zu einem gewissen Grade einfaches Leben herrschend sein werden', wird sich
eine vortheilhafte, social gesunde agrarische Organisation erhalten oder neu
herausbilden. Auf den hohen Werth einer wirksamen Gestaltung des land
wirtschaftlichen Genossenschaftswesens, ohne welche an eine solche Organisation
nicht gedacht werden kann, ist bereits im vorigen Kapitel hingewiesen worden.
Auf andere wirksame staatliche Maßregeln wird im 11. Kap. des III. Buches
einzugehen sein. Die Hauptsache bleibt aber immer die Erhaltung des treu
religiösen Sinnes, welcher die Erfahrungen einer gewissenhaften, die Autorität
achtenden Vorzeit hochhält.
Vermöge dieses Sinnes haben die ländlichen Bevölkerungskreise schon in
so manchen Fällen die Schwierigkeiten, welche aus ungeeigneten Gesetzen fiir
ihre naturgemäße Organisation erwuchsen, und überhaupt Zeiten schwerster
Krisen überwunden. Er ist und bleibt eine unerläßliche Vorbedingung des
Wohles der Landwirte wie aller übrigen Bevölkerungsklaffen. Ist er ge-