Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

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I.  Buch.  Production  und  Consumtion.

Christenthum  bezüglich  der  Verehelichung  und  der  Wahl  des  ledigen  Standes
einräumt,  nicht  insoweit  eingeengt,  daß  den  Eltern  darüber  ein  Entscheidungsrecht ­
  zustünde.
Auch  die  Geschwister  sind  nach  christlicher  Lehre  durch  engere  Bande  miteinander ­
  verbunden,  als  es  die  Menschen  überhaupt  durch  diejenigen  der  allgemeinen ­
  Menschenliebe  sind.  Sie  sind  durch  besondere  Verpflichtungen  zu
gegenseitiger  Hilfe  verhalten,  und  insbesondere  haben  die  ältern  Brüder  und
Schwestern  den  jüngern  beizustehen,  wenn  die  Eltern  todt  oder  an  der  Erfüllung ­
  ihrer  Pflichten  verhindert  sind.  Dieser  Beistand  hat  sich  in  der  Fürsorge ­
  für  die  Erziehung  und  für  die  nöthigen  Lebensbedürfniffe  zu  äußern.
Wo  immer  das  Christenthum  zur  Herrschaft  gelangt  ist,  haben  diese
Lehren  und  Vorschriften  über  das  Fainilienleben  mehr  oder  weniger  Früchte
getragen  und  tragen  solche  auch  noch  heutzutage.  Hiervon  kann  sich  ein  jeder
überzeugen.  Demungeachtet  wird  es  freilich,  weil  nun  einmal  bei  so  vielen
Individuen  die  Keime  des  Bösen  überwuchern,  in  jeder  christlichen  Nation,
auch  unter  sehr  günstigen  innern  Verhältnissen,  stets  eine  Anzahl  treuloser
Gatten,  pflichtvergessener  Eltern  und  ungehorsamer  Kinder  geben,  und  werden
sich  viele  junge  Leute  in  sämtlichen  Bevölkerungsklassen  dem  Laster  in  die
Arme  werfen.  Das  ist  aber  noch  häufiger  in  Ländern  der  Fall,  wo  die
Gesetze  und  Gewohnheiten  durch  das  Christenthum  nur  halb  umgestaltet  sind
oder  wo  die  Verbreitung  gewisser  Strömungen  die  Folge  gehabt  hat,  daß
der  religiöse  Glaube  weiten  Kreisen  mehr  oder  minder  abhanden  gekommen
ist.  Solch  traurige  Folgen  treten  besonders  dann  in  großem  Umfange  zìi
Tage,  wenn  sich  die  Staatsgewalt,  wie  es  in  unserem  Jahrhundert  so  vielfach
vorkommt,  in  den  Dienst  der  Propaganda  des  Unglaubens  stellt  oder  wenigstens ­
  die  Lehre  und  Praxis  des  Christenthums  auch  da,  wo  sie  es  ohne  Verletzung ­
  der  Toleranz  recht  wohl  könnte,  nicht  genügend  fördert.
Trotz  aller  dieser  ungünstigen  Einflüsse  herrscht  aber  in  vielen  ^amilieit,
besonders  in  den  Kreisen  der  ländlichen  Bevölkerung  und  des  kleinen  Bürgerstandes, ­
  noch  immer  ein  schönes  Leben  christlicher  Pflichterfüllung,  und  werden
hier  bescheidene,  gehorsame  und  den  Eltern  in  Liebe  zugethane  Kinder  erzogen,
die  für  die  menschliche  Gesellschaft  ein  werthvolles  Element  der  Sittlichkeit  und
gesunder  Entwicklung  zu  werden  versprechen.  Wenn  man  von  traurigen  Ausnahmen ­
  in  einem  großen  Theile  Englands,  Frankreichs  und  auch  in  gewissen
Gegenden  des  protestantischen  Deutschlands  absieht,  herrschten  im  größten  Theile
Europas  noch  um  die  Mitte  unseres  Jahrhunderts  solche  erfreuliche  Zustünde
entschieden  vor.  Man  kann  das  von  einer  ganzen  Reihe  von  Völkern,  von
den  Deutschen  und  Polen,  den  Russen  und  Norwegern,  den  Bulgaren  und
den  Ungarn,  den  Italienern,  den  Spaniern  und  Portugiesen  sowie  von  den
Flamländern,  behaupten.  Ja  es  gab  dazumal  auch  noch  weite  Gebiete  in
            
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