4. Kap. Die nichtfreie Preisbildung.
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schiedes ist übrigens auch darin zu suchen, daß reiche Kunden das Feilschen
^ unter ihrer Würde ansehen oder sich um die einzelnen Vorgänge in ihrem
Haushalte nicht sonderlich kümmern und die Bezahlung den Dienstboten
überlaffen. Die aber machen den Verkäufern hinsichtlich des Preises meist
keine Schwierigkeiten. Auch haben viele Leute keine Zeit zum Feilschen und
Handeln. In den Fällen, in welchen Geschäftsleute den Dienstboten bei den
Ankäufen, die sie für ihre Herrschaften machen, eine Prämie bewilligen und
ļktztere in den Preis einrechnen, sind die Preise an sich nicht so hoch, wie
şiê scheinen.
Aber das unrichtige Verhältniß zwischen den Preisen im großen und
denjenigen im kleinen hat noch einen dritten Grund. Gewisse Leute ziehen
aus der Unwissenheit und der Oberflächlichkeit vieler Menschen oder aus der
Abhängigkeit der Armen ihren Vortheil und beuten die Betreffenden schamlos
aus. Bisweilen geschieht dies ganz öffentlich, nämlich da, wo die Geschäfts
akt vermöge ungerechter Schuldgesetze arme Leute in Abhängigkeit von sich
ringen und sie alsdann dazu nöthigen, das Verlangte zu zahlen. In andern
füllen nimmt die Ausbeutung hingegen die Gestalt irgend eines Betruges an,
'ņbem man falsches Gewicht anwendet, verfälschte Waren verkauft und andere
dergleichen Mittel wählt.
In Gegenden, in welchen übertriebene Detailhandelspreise allgemein ver
set sind, stellt sich dann meist noch die weitere unheilvoll wirkende Er
scheinung ein, daß sich so viele Leute dem Detailgeschäft zuwenden, daß sie
^egen der übermäßigen Concurren; und des dadurch hervorgerufenen schwachen
/kschäftsganges von gerechten Preisen gar nicht leben können. So führt eine
Ermäßige Concurren; auf seiten der Verkäufer unter Umständen zu hohen
^ bisen, was dann wieder Gegenmaßregeln zur Folge hat, durch welche gewisse
g[ U * C , die es wenig verdienen, hart betroffen werden. Es hat demnach die
c . Endung und Ausbreitung der Consumvereine, welche in den verschiedenen
^iisirten Ländern eine immer größere Bedeutung erlangt haben, einerseits
er ^ngs den größten Nutzen gestiftet, indem sie die Consumenten vor Be-
Verfälschung und Uebertheuerung schützte und der Versuchung, sich in
Schulden zu stürzen, Schranken zog, andererseits hat aber diese treffliche Re-
diele achtbare Detailhändler geschädigt oder sogar gänzlich um ihr
t0 *> gebracht.
h s übrigens wolle man beachten, daß solche Vereine die Kosten des Tetail-
^ aufs nicht gänzlich beseitigen. Sie kaufen im großen billiger ein und
Mindern auch die Kosten des Detailverkaufs. Es wird dabei ein Verfahren
^schlagen, daß ein allerdings nur mäßiger Ueberschuß der Laden- über die
^^°spreise beibehalten wird oder daß die Käufer zwar sehr billig kaufen,
* îņehr Zeit und Mühe auf ihre Einkäufe verwenden, oder auf einmal