Full text: Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

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II. Buch. Der Güteraustausch. 
größere Quantitäten erstehen müssen, oder das Gewünschte nicht genau so 
ihrem Verlangen entsprechend erhalten können wie bei tüchtigen Detailhandlern, 
die es sich zur Aufgabe machen, den Bedarf ihrer Kunden genau zu kennen 
und zu befriedigen. Wären die Gesetze gegen Warenverfülschnng u. s. w- 
vollkommener, so würde viel weniger Anlaß zur Gründung von Consumver- 
einen gegeben sein. Auch sind dieselben kein Radicalmittel zur Beseitigung 
aller Uebelstände des Detailhandels. Es ist nicht zu verkennen, daß sich die 
Consumvereine mit Vortheil nur auf die Versorgung mit Artikeln verlegen 
können, deren Beschaffung und Vertrieb nicht ein hohes Maß specieller Kennt 
nisse voraussetzt oder besonders schwer zu überwachen ist. 
Die Dienste, welche gemeinnützige Männer dadurch zu leisten vermögen, 
daß sie die Geschäftsleitung solcher Vereine unentgeltlich übernehmen, sind eben 
nur unter diesen Voraussetzungen möglich. Daher gibt es auch keine Consum 
vereine zur Beschaffung von Luxusartikeln, wie sie die elegante Welt begehrt' 
und ebenso ist der Betrieb des Fleischergewerbes durch solche Vereine mit 
nennenswerthen Schwierigkeiten verbunden, da hier die Ueberwachung eine 
sehr strenge sein muß, wenn Betrügereien des Personals vermieden werden sollen- 
So ist den Consumvereinen allerdings eine gewisse Schranke gezogen und in 
ihrem Bestehen eine allerdings weit gehende, aber keineswegs allgemeine Ab 
hilfe gegen ungebührliche Ausbeutung gegeben. 
Ganz ungerechtfertigt sind jedoch die Einwendungen der Kleinhändler 
und Gewerbetreibenden gegen dieselben. Hätten diese ihrer Aufgabe genügt 
sich corporativ organisirt, um billiger einkaufen itnb verkaufen zu können, 
und nur so viele neue Mitglieder in ihre durch zeitgemäße EiurichtungeN 
begehreuswerth und wichtig gewordenen Verbände aufgenommen, daß nm 
hätten bestehen können; Hütten sie ferner durch eben diese zeitgemäße, mit Vor 
theilen für die Mitglieder verbundene Organisation das Aufkommen' von Concur 
renzgeschäften neben ihren Verbänden erschwert und selbst der Uebertheuerung 
Grenzen gezogen, so wären die Consumvereine überflüssig gewesen und nicht ent 
standen. Wenn sich die Consumenten zu organisiren wußten, warum konnten bo- 
die kleinen Producenten und die kleinen Detailhändler nicht ebensogut, wie es 
Vorfahren im Mittelalter in vielen Städten ganz ohne gesetzliches Monopol thaten ? 
1 Als auf ein Beispiel einer besonders großartigen Consumvereinsorganisation mög 
auf die bekannten .Pioniere von Rochedale' in England hingewiesen werden, die, ' 
Jahre 1843 aus der Vereinigung einiger armen Arbeiter entstanden, im Jahre 1863 sch^ 
4000 Mitglieder zählten, ein Kapital von 43 000 Pfund Sterling besaßen und wahres 
der ersten sechs Monate des betreffenden Jahres einen Umsatz von ca. 75 000 Pf"" 
Sterling erzielten. Auch sei erwähnt, daß die lediglich mit dem Verkauf von Lebe" 
Mitteln beschäftigten Consumvereine der Stadt Wien während des Geschäftsjahres 1» 
einen Umsatz von über 7 Millionen Gulden hatten, und daß in derselben Stadt
	        
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