Object: Finanzwissenschaft

en 4. Buch. V. Teil. Die Steuern. 
Steinmann-Bucher’s: Deutschlands Volksvermögen im 
Kriege (Stuttgart 1916) will in das Volksvermögen nicht bloß die 
materiellen Güter, sondern auch den persönlichen Wert der Be- 
völkerung einbezogen wissen, denn, wie er sagt: Das Volksvermögen 
schließt in sich alles, was das Volk „vermag“. „Nicht die er- 
rechneten Zahlen sind die Hauptsache, vielmehr wie sie zustande 
gekommen sind, wie festen Boden sie haben, und welche Aussichten 
sie in die Zukunft eröffnen. Bei allen Vermögenskategorien sind es 
die Entwicklungsrichtungen, Entwicklungsmöglichkeiten und Wahr- 
scheinlichkeiten, die dargestellt worden sind.“ Freilich läßt sich 
dies nur schwer statistisch erfassen. Richtig ist die Behauptung, 
daß das Quantitative nicht das Werturteil erschöpfe, doch kann 
die Statistik nur dieses darstellen. „Derselbe Betrag des Volks- 
vermögens, ja selbst der gleiche Kopfbetrag bei zwei Völkern, kann 
für jedes derselben etwas ganz anderes bedeuten.“ Für 1914 wird 
das deutsche Volksvermögen mit 376—397 Milliarden angegeben. 
Den Zuwachs des Volksvermögens berechnet Steinmann- Bucher 
mit 3—4 Prozent in guten Jahren, mit 2—3 Prozent in mittleren 
Jahren. Von‘ besonderer Bedeutung ist die Behauptung, daß das 
deutsche Volksvermögen auch im Kriege zugenommen hat, und 
zwar „nicht nur an zahlenmäßig darstellbarem Wert, sondern auch 
an innerem Wert.“ 
Für England wurde das Volksvermögen auf 230—260 Milliarden 
Mark geschätzt, also pro Kopf 5100—5800 Mark; für die Ver- 
einigten Staaten von Nordamerika auf 500 Milliarden Mark, pro 
Kopf also 5500 Mark. Giffen schätzte 1885 das englische Volks- 
vermögen auf 10 Millionen Pfund, gleich 204,7 Millionen Mark. 
Rechnet man den jährlichen Zuwachs auf 1 Prozent, so würde das- 
selbe 1915 (30 Jahre später) 273, rechnet man 2 Prozent, 327 Millionen 
Mark betragen. 
Der amerikanische Zensus gibt für 1904 das Volksvermögen 
mit 107 Millionen Dollar, 450 Millionen Mark an. 
Nach The6ry betrug das Volksvermögen Frankreichs 1908 
287 Milliarden Franks (232,5 Milliarden Mark), dagegen 1892 
243 Milliarden (200,8 Millionen Mark); es ergab dies einen jähr- 
lichen Zuwachs von etwa 2,7 Milliarden Franks; der Zuwachs be- 
trägt in einem 16 jährigen Zeitraum beiläufig 16 Prozent, also all- 
jährlich 1 Prozent. Im Jahre 1908 entfiel auf den Kopf der Be- 
völkerung ein durchschnittliches Vermögen von 5924 Mark. Foville 
schätzte im Jahre 1902 das Volksvermögen Frankreichs auf 
161,6 Milliarden Mark, Yves-Guyot auf 190,4 Millionen Mark, 
Leroy-Beaulieu auf 166—170 Millionen Mark, D’A venel auf 
190 Milliarden Mark. 
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